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Allgemein

Im Rückblick erwies sich der November für die Schweiz als bedeutsamer Monat: Mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung wurde der Weg frei für eine Senkung der US-Zölle von bislang 39 % auf deutlich niedrigere 15 %. Auch wenn die Vorgehensweise hierzulande kritisch diskutiert wird, markiert das Abkommen für exportstarke Schweizer Unternehmen einen wichtigen Fortschritt. Der kanadische Premierminister hat derweil ein Abkommen über den Bau einer rund 1'100 Kilometer langen Pipeline geschlossen, die täglich bis zu eine Million Barrel Öl vom Norden des Landes an die Westküste transportieren soll. Ziel dieses Projekts ist es, die Ausfuhr von Rohöl nach Asien zu ermöglichen und damit die nach wie vor starke Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern. Die im November veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück: Der Conference Board Index für das Verbrauchervertrauen fiel auf 88.7 Punkte (Oktober: 95.5) und markierte damit den zweitschlechtesten Wert der vergangenen fünf Jahre. Auch die Einzelhandelsumsätze im September – deren Veröffentlichung sich aufgrund des «Government Shutdowns» verzögerte – stiegen lediglich um 0.2% statt der prognostizierten 0.4%. Gleichzeitig legten die Grosshandelspreise erwartungsgemäss um 2.7% zu. Die Kombination aus höheren Preisen und einem schwächelnden Arbeitsmarkt – die Arbeitslosenquote erreichte mit 4.4% ein Vierjahreshoch – belastet vor allem einkommensschwache Haushalte. Bemerkenswert ist jedoch, dass die schwachen Konjunkturdaten den Aktienmärkten Auftrieb verliehen: Die Aussicht auf niedrigere Zinsen stützte insbesondere die grossen Technologiewerte, die aktuell weitgehend unabhängig von der gesamtwirtschaftlichen Lage agieren.

Aktienmärkte

Die Aktienmärkte präsentierten sich im November besonders bewegt. Vor allem NVIDIA geriet in der zweiten Monatshälfte stark unter Druck: Seit dem Hoch zu Monatsbeginn hat der Halbleiterkonzern zeitweise mehr als 700 Mrd. USD an Börsenwert eingebüsst. Auslöser waren die jüngsten Fortschritte von Google mit seinen eigenen TPUs – Tensor Processing Units: Google’s KI-Beschleuniger – sowie dem neuen Sprachmodell Gemini 3, das weithin als technologischer Durchbruch gilt. Während NVIDIA schwächelt, nähert sich die Bewertung der Google-Mutter Alphabet Schritt für Schritt der Marke von 4 Bio. USD. Der MSCI World notierte infolge erhöhter Volatilität bei den Indexschwergewichten zwischenzeitlich deutlich im Minus, konnte sich jedoch wieder erholen und liegt aktuell nahezu unverändert gegenüber Monatsbeginn. Bemerkenswert ist auch die Entwicklung im M&A-Markt: Mit bislang 63 Transaktionen über 10 Mrd. USD wurde der Rekord von 2015 übertroffen und ein neues Allzeithoch erreicht. Während grosse Konzerne aggressiv expandieren, bleibt die Aktivität bei kleineren Deals verhalten – ein Zeichen für die zunehmende Konzentration auf Megatransaktionen. Die EZB warnt derweil in ihrem aktuellen Financial Stability Review vor überhöhten Bewertungen bei den grossen US-Technologieaktien. Getrieben von „FOMO“ – der Angst, etwas zu verpassen – würden Anleger Risiken zunehmend ausblenden. Die Notenbank sieht die wachsende Marktkonzentration kritisch und verweist auf die Gefahr scharfer, korrelierter Kurskorrekturen im Falle negativer Überraschungen. Auch wir begegnen den jüngsten Entwicklungen mit Zurückhaltung: Zwar teilen wir die Einschätzung der EZB, dass die aktuelle Lage nicht mit der Blase zur Jahrtausendwende vergleichbar ist, doch die hohen Bewertungsniveaus sowie die bestehenden fiskalischen und geopolitischen Unsicherheiten bergen weiterhin gewisse Risiken für die Stabilität der Märkte – die wir mittels Absicherungsstrategien gezielt bewirtschaften.

Zinsen / Währungen / Rohstoffe

Die Oktober-Sitzung der Fed offenbarte stark unterschiedliche Ansichten über eine mögliche dritte Zinssenkung in diesem Jahr. Fed-Gouverneur Christopher Waller sprach sich für eine Zinssenkung im Dezember aus und verwies auf die Schwäche des Arbeitsmarkts sowie moderat bleibende Inflation. Damit stellt er sich gegen mehrere „Hawks“ im FOMC – also Mitglieder, die eine restriktivere Geldpolitik befürworten – die angesichts robuster Konjunkturdaten vor weiteren Lockerungen warnen. Die Uneinigkeit unter den Notenbankern verdeutlicht die schwierige Balance zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstützung. Für den Markt scheint eine weitere Zinssenkung im Dezember eine relativ sichere Sache zu sein, denn eine solche preist er mit aktuell mit einer 100%-igen Wahrscheinlichkeit ein. Im Verlauf der nächsten 12 Monate rechnet der Markt mit mehr als drei weiteren Zinssenkungen. Kevin Hassett, der im Wirtschaftskabinett von Donald Trump eine zentrale Rolle spielt, wird zunehmend als möglicher Nachfolger von Jerome Powell gehandelt. Eine solche Personalie würde die ohnehin fragile Trennlinie zwischen Geld- und Wirtschaftspolitik weiter verwischen und die Debatte über politische Einflussnahme auf die Notenbank neu entfachen.

Fazit

Faktoren wie die weltweit hohe Staatsverschuldung, ausufernde Budgetdefizite und die nach wie vor hartnäckig erhöhte Inflation in den USA lassen uns gegenüber Anleihen Zurückhaltung üben. Besonders für Portfolios mit Schweizer Franken als Referenzwährung stellt sich die Lage anspruchsvoll dar: Die Wahl zwischen Fremdwährungsanleihen mit entsprechendem Wechselkursrisiko und niedrig verzinsten Papieren in Schweizer Franken ähnelt oft einem Schachspiel, in dem nur noch ungünstige Züge verbleiben – und selbst der vermeintlich beste davon führt lediglich zu einem mässig befriedigenden Resultat. Wir setzen weiterhin auf Realwerte – Aktien, Immobilien und Edelmetalle – und haben damit auch in diesem Jahr sehr gute Resultate erzielt. Vor dem Hintergrund der genannten Risiken bleiben wir vorsichtig optimistisch. Die Volatilität an den Aktienmärkten ist derzeit vergleichsweise niedrig – steigt sie jedoch einmal an, geschieht dies meist abrupt und bleibt von kurzer Dauer. Für solche Phasen sind wir mit unseren Absicherungsstrategien bestens vorbereitet. Grössere Rückschläge würden wir gezielt für Umschichtungen nutzen, um die frei werdende Liquidität in chancenreichere Anlagen zu investieren.

 

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