Der September war geprägt von einer ungewöhnlichen Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, steigenden Zinsen und ersten Anzeichen einer Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China. Während sich die Spannungen zwischen Washington und Teheran erneut verschärften und eine Einigung über die vollständige Wiederöffnung der Strasse von Hormus weiterhin ausblieb, näherten sich die Vereinigten Staaten und China in einzelnen Handelsfragen wieder an. Ende Monat vereinbarten beide Länder gegenseitige Zollsenkungen auf Waren im Umfang von rund USD 30 Mrd. und verlängerten bestehende Übergangsregelungen für den bilateralen Handel. Damit scheint zumindest vorübergehend eine weitere Eskalation des Handelskonflikts weniger wahrscheinlich. An dessen Stelle rückte ein anderes Thema stärker in den Fokus der Finanzmärkte: die Geldpolitik. Die US-Notenbank erhöhte ihren Leitzins erstmals seit mehreren Jahren wieder und begründete den Schritt mit einer weiterhin über dem Zielwert liegenden Inflation sowie einer robusten Wirtschaftsentwicklung. Für viele US-Haushalte stellen die hohen Preise für Energie, Lebensmittel und andere Güter derzeit ein deutlich grösseres Problem dar als leicht steigende Finanzierungskosten. Mit ihrem Entscheid signalisiert die Notenbank, dass die Wiederherstellung von Preisstabilität oberste Priorität hat und sie bereit ist, anhaltendem Inflationsdruck konsequent entgegenzutreten. Aus unserer Sicht ist dieser Schritt nachvollziehbar. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass eine verfrühte Lockerung der Geldpolitik die Inflationserwartungen erneut anheizen kann.
Laut dem Bureau of Economic Analysis haben ausländische Investoren ihre Käufe von US-Aktien massiv ausgeweitet und in den zwölf Monaten bis Juli netto USD 942 Mrd. investiert – ein Rekordwert seit Beginn der Datenerhebung. Besonders im zweiten Quartal beschleunigte sich dieser Trend deutlich: Die Nettozuflüsse in US-Aktien und -Fonds stiegen gegenüber dem Vorjahr um 62% auf USD 426 Mrd. Getrieben wurde diese Entwicklung von der starken Performance des US-Aktienmarktes, insbesondere im Technologie- und KI-Sektor, der den S&P 500 trotz geopolitischer Unsicherheiten auf neue Höchststände führte. Ein bemerkenswerter Indikator in diesem Zusammenhang ist der stark gestiegene Anteil von S&P 500-Aktien mit einem negativen Beta, also Titeln, die sich tendenziell gegenläufig zum Gesamtmarkt entwickeln. Inzwischen weist nahezu die Hälfte der Indexmitglieder ein negatives Beta auf. Eine mögliche Interpretation dieser Entwicklung ist, dass Anleger bei einer Untergewichtung der grossen US-Technologiewerte Gefahr laufen, unbeabsichtigt ein zu defensives Portfolio zu halten und damit hinter der Marktentwicklung zurückzubleiben. Andererseits verdeutlicht diese Entwicklung aber auch die Heterogenität innerhalb des US-Aktienmarktes. Während die KI-getriebenen Mega Caps einen immer grösseren Anteil an Wirtschaftswachstum, Börsenkapitalisierung und Investitionen auf sich vereinen, entwickeln sich viele andere Unternehmen unabhängig davon. Für Anleger, die das Konzentrationsrisiko der grossen Technologiewerte kritisch beurteilen, eröffnen sich dadurch interessante Diversifikationsmöglichkeiten. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor stellten im September die deutlich gestiegenen Anleiherenditen dar, welche die Aktienmärkte unter Druck setzten. Insgesamt hielten sich die grossen Aktienindizes jedoch erstaunlich robust und konnten die höheren Zinsen weitgehend absorbieren. Dies unterstreicht die weiterhin solide Verfassung der globalen Unternehmensgewinne und der Weltwirtschaft.
Die bedeutendste Entwicklung des Monats spielte sich am Anleihemarkt ab. Die Leitzinserhöhung der US-Notenbank, sowie weitere mögliche Straffungsschritte liessen insbesondere die langfristigen US-Renditen deutlich ansteigen. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen erreichte zeitweise den höchsten Stand seit der Finanzkrise von 2007. Während die Nachfrage nach US-Aktien rekordhoch ist, nimmt das Interesse ausländischer Investoren an US-Anleihen ab. Die Nettokäufe von US-Schuldtiteln gingen laut dem Bureau of Economic Analysis im zweiten Quartal deutlich zurück. Besonders China reduziert seine Treasury-Bestände weiter und diversifiziert verstärkt in Gold und andere Anlageklassen. Dies kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die USA hohe Haushaltsdefizite finanzieren müssen und deshalb eigentlich auf eine stabile Nachfrage nach Staatsanleihen angewiesen sind. Die Schweizerische Nationalbank beliess ihren Leitzins hingegen unverändert bei 0% und bestätigte ihre Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. An den Rohstoffmärkten dominierte erneut der Ölpreis. Die ausbleibende Einigung zwischen den USA und Iran sowie Angriffe auf Energieinfrastruktur im Nahen Osten führten zu einer erneuten Risikoprämie. Brent notierte zeitweise bei knapp USD 110 pro Fass und verzeichnete damit einen der stärksten Monatsanstiege des laufenden Jahres. Gold konnte von den geopolitischen Unsicherheiten profitieren, wurde jedoch gleichzeitig durch die höheren Realzinsen gebremst.
Die Finanzmärkte sehen sich weiterhin mit denselben strukturellen Herausforderungen konfrontiert wie zu Jahresbeginn. Die geopolitischen Konflikte bleiben ungelöst, die Staatsverschuldung vieler Industrieländer steigt weiter an, und die Inflation erweist sich als hartnäckiger als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Neu hinzugekommen ist die Erkenntnis, dass die US-Notenbank bereit ist, auch in einem Umfeld steigender Staatsverschuldung und hoher Kapitalmarktzinsen restriktiv zu bleiben. Gleichzeitig zeigt sich die globale Wirtschaft nach wie vor widerstandsfähig. Die Unternehmensgewinne entwickeln sich weiterhin positiv und die Investitionen in Digitalisierung, Datencenter und künstliche Intelligenz sorgen für zusätzliche Wachstumsimpulse. Im Monatsverlauf haben wir unsere verbliebene Position in Brent-Öl mit gutem Gewinn realisiert und die gestiegenen Zinsen für den Aufbau einer Allokation in kurz laufenden Hochzinsanleihen sowie die Stärke des US Dollars für eine Exposure-Reduktion genutzt. Unsere langfristige Anlagestrategie verfolgen wir diszipliniert Realwerte und eine breite Diversifikation bleiben aus unserer Sicht die sinnvollsten Instrumente, um den aktuellen Unsicherheiten zu begegnen und langfristig Kaufkraft zu erhalten sowie Kapitalwachstum zu erzielen.