Der September stand im Zeichen geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Gegenwinde. Besonders die Schweizer Exportwirtschaft wurde durch neue US-Zölle abermals getroffen, denn die USA verhängten nicht ganz überraschend Zölle von 100% auf pharmazeutische Produkte. Die schweizerische Pharmabranche dürfte davon allerdings nur beschränkt betroffen sein, denn: Unternehmen wie Roche oder Novartis erzielen zwar einen erheblichen Teil ihres Umsatzes in den USA, haben jedoch bereits zuvor hohe Investitionen in US-Produktionsstätten bekanntgegeben bzw. teilweise bereits mit deren Bau begonnen und sind daher von den Zöllen ausgenommen. Selbes gilt auch für Hersteller von Generika. Die europäische Wirtschaft zeigt Zeichen einer Stabilisierung und eine moderate Erholung darf erwartet werden. Risiken für die europäische Wirtschaft orten wir nach wie vor in der unvorhersehbaren US-Zollpolitik sowie in der unsicheren geopolitischen Lage. Letztere wurde im September beispielsweise durch die Lahmlegung eines dänischen Flughafens auch für das westlichere Europa spürbarer. Während die geopolitische Lage für die amerikanische Wirtschaft zunächst das kleinere Risiko darstellt, rechnen wir damit, dass sich die Auswirkungen der US-Zollpolitik in den kommenden Monaten deutlicher in Form von höheren Preisen manifestieren. Dies dürfte die Aufgabe der US-Zentralbank umso schwieriger gestalten. Mit Stephen Miran zieht ein ausgewiesener Befürworter einer lockeren Geldpolitik in den Gouverneursrat der US-Notenbank ein. Anders als seine Vorgängerin Adriana Kugler steht Miran klar für niedrige Zinsen und eine wachstumsorientierte Ausrichtung der Geldpolitik. Allen Risiken zum Trotz war der vergangene Monat ein ausgesprochen positiver Börsenmonat und zeigte, dass selektive Zuversicht und robuste Unternehmensdaten auch in einem schwierigen Umfeld für positive Impulse sorgen können.
Die globalen Aktienmärkte zeigten sich im September mehrheitlich freundlich, wobei einzelne Börsen sogar neue Allzeithochs verzeichneten. Besonders ins Auge fällt die Entwicklung des Technologiesektors, der die Performance klar dominierte und sich als wichtigster Renditetreiber erwies. Dies ist nicht zuletzt dem inzwischen beträchtlichen Gewicht geschuldet, das Tech-Werte in den meisten globalen Aktienindizes einnehmen. Eine vorausschauende Anlagepolitik trägt diesem Umstand durch gezielte Diversifikation Rechnung. Unsere Kunden profitierten im September einerseits von einer starken Selektion, andererseits nutzten wir die historisch tiefe Volatilität, um lang laufende Put-Optionen auf mehrere Aktienindizes zu erwerben. Damit begegnen wir den vielfältigen Risiken und den teilweise ambitionierten Bewertungen mit Augenmass. Zwar erwarten wir kurzfristig keine starke Kurskorrektur – es fehlt ein offensichtlicher Auslöser – doch ein Shiller-KGV von nahezu 40 für den S&P 500 mahnt zur Vorsicht. Weltweite Aktienindizes ausserhalb der USA erscheinen deutlich günstiger, bringen jedoch eigene Herausforderungen mit sich. So belastet der schwache US-Dollar exportorientierte Unternehmen, die in die USA liefern, zusätzlich zu den verhängten Zöllen. Umgekehrt profitieren US-Konzerne mit hohem Auslandsumsatz von der Währungsschwäche, da sie selbst bei stabilen Absatzmengen ein nominales Umsatzwachstum verzeichnen. In Schweizer Franken betrachtet hat sich der S&P 500 im laufenden Jahr mit deutlich weniger positiv entwickelt als etwa der Euro Stoxx 50, der SPI oder Aktien aus Schwellenländern. Die Märkte bewerten die Perspektiven für Welt-ex-US-Aktien bislang spürbar optimistischer als jene für ihre amerikanischen Pendants.
In den USA ist ein «Government Shutdown» nun Realität – anders als in den vergangenen vier Jahren, in denen ein solches Szenario jeweils in letzter Minute noch abgewendet werden konnte. Umso erstaunlicher wirkt es, dass weder die kurzfristigen noch die langfristigen Renditen von US-Staatsanleihen bislang nennenswert reagiert haben. Im Gegenteil: Die langfristigen Zinsen für 30-jährige Papiere sind um fast 20 Basispunkte gesunken, während jene für 10-jährige US-Staatsanleihen um mehr als 7 Basispunkte zurückgingen. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten begegnen wir nominalen Vermögenswerten mit erhöhter Vorsicht und richten unseren Fokus verstärkt auf Realwerte. Besonders Edelmetalle erscheinen uns in einem potenziell inflationären oder gar stagflationären Umfeld als vielversprechend. Neben der zunehmenden Staatsverschuldung in zahlreichen Ländern sprechen auch geopolitische Spannungen und der wachsende Protektionismus für eine strategische Allokation in diesem Bereich. Die Ölpreise entwickelten sich in den vergangenen Wochen mehrheitlich volatil seitwärts und verharren im Vergleich zu den vergangenen Jahren auf einem tiefen Stand.
Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung an den Aktienmärkten verspüren wir einerseits Genugtuung – im Bewusstsein, dass unsere Kunden von den fortgesetzten Kursgewinnen profitieren – andererseits aber auch eine gesunde Portion Skepsis. Die Bewertungen, gemessen am Shiller-KGV, erreichen in den USA ein Niveau, das in der Vergangenheit nur selten übertroffen wurde – zuletzt um die Jahrtausendwende. Die gute Nachricht: Auch damals, inmitten der anschliessenden Marktkorrektur, gab es Segmente, die sich dem allgemeinen Abwärtstrend entzogen und attraktive Renditen erzielten. Auch heute erkennen wir vergleichbare Muster. In bestimmten Bereichen sehen wir Chancen, die sich positiv vom Gesamtmarkt abheben könnten. Neben einer breit abgestützten Diversifikation richten wir unseren Fokus gezielt auf Sachwerte wie Edelmetalle und Aktien. Innerhalb unseres Aktienportfolios bevorzugen wir attraktiv bewertete Segmente ausserhalb der USA. Kürzlich haben wir unsere Positionen im Energiesektor ausgebaut und angesichts der positiven Kursentwicklung bei Goldminenaktien ein gezieltes Rebalancing vorgenommen. Im Anleihenbereich haben wir gezielt an ausgewählten Neuemissionen teilgenommen und dadurch Papiere mit niedriger Verfallrendite durch attraktivere Positionen ersetzt.