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Allgemein

Die weltweiten Finanzmärkte litten im September unter starkem Abgabedruck. Anleihen und Aktien verloren praktisch im Gleichschritt stark an Wert als die Inflationsdaten in den USA erneut hartnäckig hoch ausfielen und das vereinigte Königreich unter der neuen Führung massive Steuersenkungen ankündete. Es mangelte an keiner Front an rekordstarken Bewegungen. Seit Jahresstart wurden global über 60 Billionen USD an Wert vernichtet. Die Renditen 30-jähriger Staatsanleihen des vereinigten Königreiches (GILTs) schnellten zeitweise auf bis zu 5% hoch, bevor die Bank of England unlimitiertes Intervenieren versprach. Es handelt sich um extraordinäre Zeiten, in welchen einerseits ein Kampf gegen die Inflation geführt wird und andererseits die Staaten keine Hemmungen vor hohen Defiziten haben. Solche Voraussetzungen wie Sie in Europa und insbesondere nun in England anzutreffen sind, zerstören das Vertrauen in die Währung. Das britische Pfund rutschte auf ein Rekordtief zum Schweizer Franken, der EUR erreichte ein neues Jahrestief zum Franken und ein neues Rekordtief zum USD. Die Zentralbanken erhöhten die Zinsen wie erwartet. Eine Ausnahme unter den G10 Staaten bildet Japan. Die Bank of Japan scheut weiterhin davor zurück, die Normalisierung der Geldpolitik voranzutreiben, dabei ist der japanische Yen so schwach wie seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr. Bis Ende Jahr werden weitere Zinsschritte erwartet: in den USA, Europa und der Schweiz. Die US-Notenbank dürfte im November wie im Dezember um jeweils weitere 50 Basispunkte an der Zinsschraube drehen. Die geopolitische Lage erreichte die nächste Eskalationsstufe mit der Ankündigung der Mobilmachung in Russland und der Annexion südöstlicher Regionen der Ukraine. Die Wirtschaftsdaten zeigen sich anhand der gesamten Datenlage durchmischt. Vorlaufindikatoren deuten eher auf eine Wachstumsabschwächung hin, während der nachhinkende Arbeitsmarkt sehr robust aussieht. Die höheren Zinsen wirken sich nun auch bei den Häuserpreisen in den USA und Europa auf die Bewertung aus. Obwohl die Häuserpreise in den USA nach wie vor komfortabel über den Ständen des Vorjahres notieren, verloren diese in grossen US-Städten wie San Francisco oder Los Angeles im Juli zwischen 2-3%. Auf Monatsbasis ist das der grösste Rückschlag in so kurzer Zeit für den breiten Case-Shiller Index, welcher die zwanzig grössten Städte der USA umfasst. Ein Rückgang der Häuserpreise dürfte der US-Notenbank in ihrem Mandat zur Bekämpfung der Inflation willkommen sein. Ähnlich verhält es sich mit den im September gefallenen Preisen für Öl und Gas. Diese Entspannung dürfte sich aber nur sehr langsam in den Inflationsdaten zeigen, sodass die Notenbank ihre Zinspolitik in unmittelbarer Zukunft kaum anpassen dürfte.

Aktienmärkte

Der Abwärtstrend an den Aktienmärkten beschleunigte sich nochmal deutlich. Die Verluste waren weltweit extrem und viele der Weltmärkte unterschritten die Jahrestiefststände. Wiederum litten vor allem wachstumsorientierte Indices wie der Nasdaq (-11%) oder Entwicklungsländer wie China (-7%). Der Hang-Seng brach gar um über 14% ein. Der SMI verlor 5%. Die Gewinnerwartungen der Analysten werden nur langsam nach unten revidiert. Die Wallstreet rechnet im Schnitt immer noch mit Gewinnsteigerungen um 8-10% im kommenden Jahr - angesichts der immer wahrscheinlicher werdenden Rezession erscheint dies überoptimistisch und illusorisch. Der Paketlieferdienst FedEx schockierte die Anleger mit einer massiven Gewinnenttäuschung – die Gewinne des konjunktursensitiven US-Bluechip Unternehmens brachen um über 20% ein – erwartet wurde hingegen ein Wachstum von 18% zum Vorjahr. Der CEO gab der wirtschaftlichen Abschwächung die Schuld für das schlechte Resultat und teilte gleich mit, dass er eine globale Rezession erwartet. Das Unternehmen kündete sogleich Kosteneinsparungen an und verzichtete auf einen Ausblick für das kommende Jahr. Weitere Blue-Chips wie Oracle, Nike oder Adobe enttäuschten die Anleger genauso. Auch von der bisher sehr gefragten Stahlindustrie gab es nüchterne Zahlen von US Steel oder Nucor.

Zinsen

Die Anleihen fielen bis zur Intervention der Bank of England crashartig. Die Verfallsrendite der US Treasuries (10 Jahre) sprang von knapp 3.2% Ende August 2022 auf zeitweise 4% an (was einem Verlust von rund 7% innert einem Monat entspricht!). Damit haben es klassische Strategieportfolios, welche ausgewogen zwischen Aktien und Anleihen investieren dieses Jahr besonders schwer. Der Pictet25 Index, welcher die Rendite von weltweit 25% Aktien und 75% Anleihen reflektiert, verliert bis dato über -15% und nähert sich so dem schlimmsten Wertverlust seit der grossen Finanzkrise 2008.

Währungen / Rohstoffe

Die Konjunktursorgen drückten den Ölpreis zeitweise unter die 80 USD (WTI). Trotz Rezessionsängsten steht der Preis für Energieträger nach wie vor sehr hoch, was nicht nur dem Krieg in der Ukraine zu verschulden ist (siehe FOKUS). Der Schweizer Franken war wiederum sehr stark und gewann fast gegen alle wichtigen Währungen ausser dem USD.

Ausblick

Wir nähern uns womöglich langsam einem Punkt, an welchem der globale Wertverlust der Finanzanlagen allen voran die US-Notenbank zu einer Denkpause anregen könnte. Obwohl diese wegen der hohen ausgewiesenen Inflation und dem noch starken Arbeitsmarkt vermutlich noch keine starke Kehrtwende vollziehen kann, dürfte nach den immensen Kursverlusten vom September das kleinste Andeuten für eine leicht gemächlichere Zinspolitik bereits für eine Zwischenerholung an den Börsen sorgen. Wir gehen aber davon aus, dass wir wegen der immer wahrscheinlicheren Rezession der Weltwirtschaft wohl die Talsohle an den Aktienmärkten noch nicht gesehen haben dürften. Die hohen Gewinnerwartungen sowie die anhaltend restriktive Geldpolitik sprechen gegen ein strategisches Übergewicht der Aktien. Rein taktisch könnte jedoch das sehr negative Anlegersentiment, zusammen mit den ersten Akteuren der Geldpolitik, welche „Gegensteuer“ geben, etwas Nährboden für eine Zwischenerholung ins Jahresende liefern. Temporär könnten wir daher mit einem Aktienuntergewicht etwas weniger an einer solchen Erholung partizipieren.

 

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