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Allgemein

Die USA versuchen nach dem militärisch erfolglosen Konflikt mit dem Iran, den Druck nun auch durch verschärfte Wirtschaftssanktionen zu erhöhen. Ziel ist es, die Handels-, Finanz- und Ölströme des Landes möglichst umfassend einzuschränken und zugleich jene Staaten unter Druck zu setzen, die weiterhin enge wirtschaftliche Beziehungen zu Teheran unterhalten. Der US-Finanzminister bezeichnete die Strategie als «wirtschaftlichen D-Day». Ihr Erfolg hängt jedoch entscheidend von der Unterstützung wichtiger Handelspartner Irans ab. Während die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Wirtschaftsbeziehungen bereits eingeschränkt haben, signalisiert China, das den Grossteil des iranischen Öls abnimmt, klaren Widerstand gegen mögliche US-Sekundärsanktionen. Damit droht Washington ein Zielkonflikt zwischen seiner Iran-Strategie und den laufenden Verhandlungen mit Peking. Gleichzeitig verschärft sich nach dem Scheitern der Verhandlungen auch der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada. Die USA kündigten Zölle von 50 % auf kanadische Autos, Lastwagen und Autoteile an, zusätzlich zu den bereits bestehenden Zöllen auf Stahl. Kanada reagierte umgehend und stellte Gegenzölle von bis zu 50 % auf US-Importe im Umfang von rund USD 20 Mrd. in Aussicht. Betroffen sind Hunderte von Produkten, darunter Stahl, Milchprodukte und landwirtschaftliche Maschinen. Inwiefern die USA in der Lage sein werden, mehrere geopolitische und wirtschaftliche Konflikte parallel auszutragen, bleibt abzuwarten – insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmend kritisch betrachteten Staatsverschuldung. Unabhängig vom weiteren Verlauf dürfte es aufschlussreich sein zu beobachten, welche Länder aus den aktuellen Verwerfungen langfristig gestärkt hervorgehen – und welche nicht.

Aktienmärkte

Allen Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Investitionen in die KI-Infrastruktur zum Trotz hat Nvidia mit den jüngst veröffentlichten Quartalszahlen die hohen Erwartungen erneut übertroffen und zudem einen ausgesprochen optimistischen Ausblick abgegeben. Für das kommende Jahr stellt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von rund 70 % in Aussicht und betont zugleich, dass dieses aufgrund bestehender Angebotsbeschränkungen sogar noch höher ausfallen könnte. Der KI-Investitionszyklus scheint damit weiterhin in vollem Gange zu sein. Zwischen den Zeilen lassen sich jedoch durchaus auch Herausforderungen erkennen. So ging der freie Cashflow trotz des starken Wachstums zurück, unter anderem weil einige Grosskunden längere Zahlungsfristen eingeräumt erhielten. Kritisch diskutiert werden zudem die Beteiligungen, Garantien und Finanzierungsprogramme, mit denen Nvidia seinen Kunden den Aufbau von KI-Infrastruktur erleichtert. Beobachter sehen darin teilweise Elemente einer zirkulären Finanzierung, bei der die Nachfrage indirekt durch den Anbieter selbst unterstützt wird. Insgesamt präsentierten sich die Aktienmärkte im August jedoch ausgesprochen robust. Nahezu alle bedeutenden Aktienindizes verzeichneten moderate bis deutliche Kursgewinne und schlossen den Monat klar im Plus ab.

Zinsen / Währungen / Rohstoffe

Mit Rückkäufen langlaufender Staatsanleihen versucht das US-Finanzministerium, die stark gestiegenen langfristigen Zinsen und damit die Finanzierungskosten des Staates zu senken. Bei näherer Betrachtung steht dies jedoch teilweise im Widerspruch zur Geldpolitik der Fed, die angesichts einer weiterhin über dem 2%-Ziel liegenden Inflation eher auf restriktive Bedingungen abzielt. Sowohl die Ankündigung als auch die bisher durchgeführten Rückkäufe hatten allerdings nur begrenzte Auswirkungen auf die langfristigen Renditen, die seither nicht nennenswert gefallen sind und zeitweise sogar leicht höher notierten. Bemerkenswert ist zudem die Veränderung der Marktstruktur bei US-Treasuries. Hedgefonds haben ihre Bestände in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut und halten mittlerweile einen bedeutenden Teil des Marktes. Einerseits leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Marktliquidität und absorbieren einen Teil der kontinuierlich steigenden US-Staatsverschuldung. Andererseits erhöht ihre wachsende Bedeutung die Anfälligkeit des Marktes, da viele dieser Strategien auf kurzfristiger Finanzierung und einem hohen Fremdkapitaleinsatz beruhen. Solange die US-Notenbank in Stressphasen als Stabilisator eingreift, bleibt das System funktionsfähig. Dennoch dürfte der wichtigste Anleihemarkt der Welt dadurch stärker von risikofreudigen Investoren abhängig geworden sein, als viele Marktteilnehmer annehmen. Auch Gold verzeichnete im August einen starken Monat. Das Edelmetall legte um etwa 10% zu und erzielte damit einen der kräftigsten Monatsanstiege seit Jahrzehnten. Daneben schwächte sich der US-Dollar gegenüber den meisten Währungen ab, was sich in einem Rückgang des US-Dollar-Index um 0.5% widerspiegelte. Der Ölpreis Brent gab zwischenzeitlich nach, gestützt von Hoffnungen auf eine baldige Wiederöffnung der Strasse von Hormus. Dass China als mit Abstand wichtigster Abnehmer iranischen Öls ein erhebliches Interesse an einer Normalisierung der Schifffahrtsrouten hat, erhöht zwar die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios. Dennoch zog der Ölpreis Ende August wieder an, nachdem erneute Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran die geopolitischen Spannungen verschärften.

Fazit

Die primären Risiken für die Finanzmärkte haben sich in den vergangenen Monaten kaum verändert: Der Ausgang der geopolitischen Konflikte bleibt ebenso ungewiss wie deren Auswirkungen auf Rohstoffpreise, Lieferketten und das globale Wirtschaftswachstum. Auch die weltweite Staatsverschuldung verharrt auf einem hohen Niveau. Nachhaltig angegangen wird die Lösung des Problems nicht. Stattdessen wird sie bestenfalls hinausgeschoben, in den USA etwa durch die erwähnten Bemühungen, die langfristigen Zinsen künstlich tief zu halten. Dennoch präsentiert sich die globale Konjunktur robust. Auch die Gewinnberichtssaison ist praktisch abgeschlossen und fällt insgesamt positiv aus. Die Bewertungen an den Aktienmärkten sind anspruchsvoll, bislang vermochten die Unternehmen diese jedoch mit ihren Geschäftsergebnissen weitgehend zu rechtfertigen. Wir sind weiterhin überzeugt, dass das aktuelle Umfeld für Nominalanlagen wenig attraktiv ist. Die Inflation liegt seit Jahren auf erhöhtem Niveau, und die gegenwärtigen Rahmenbedingungen liefern kaum Anhaltspunkte dafür, dass sich dies in den kommenden Jahren nachhaltig ändern wird. Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir weiterhin Realwerte und halten in unseren Portfolios diversifizierende Anlagen.

 

MarktdatenMonatschart