Die Attacken des US-Präsidenten auf die Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank FED haben sich im August nochmals intensiviert. Nebst anhaltendend ausgeübtem Druck auf Jerome Powell mit dem Ziel, möglichst rasch möglichst hohe Zinssenkungen zu erreichen, will Donald Trump Lisa Cook, die seit 2022 im Board of Governors der Fed ist, entlassen. Die USD-Zinsen reagierten überraschend zahm und notieren am längeren Ende auf ähnlichen Niveaus wie noch zu Monatsbeginn. Auch Zölle wurden im August munter weiter verhängt. So beträgt der US-Zoll auf indische Exporte in die USA inzwischen 50%, was den effektiven globalen Zollsatz der USA auf über 18% anhebt. In den amerikanischen Wirtschaftsdaten lassen sich allmählich erste Effekte der erhobenen Zölle beobachten. Waren die monatlichen Zolleinnahmen der USA bis und mit März 2025 stets unter USD 10 Mia., sind sie seither sprunghaft angestiegen und betrugen im Juni gut USD 28 Mia. Auf das Jahr 2025 wurden bisher somit knapp USD 94 Mia. Zolleinnahmen generiert, was etwa 5% des budgetierten Defizits für 2025 entspricht. Eine spannende Diskrepanz lässt sich auch in Bezug auf die US-Inflation beobachten: Während die Konsumentenpreise im Juli, wie vom Markt erwartet, um 0.2% anstiegen, lag die Inflation der Produzentenpreise bei 0.9%, im Gegensatz zu den erwarteten 0.2%. Auch wenn sie nicht der alleinige Treiber waren, dürften die Zölle auch hier eine entsprechende Rolle gespielt haben.
Nachdem die USA anfangs August Zölle von 39% für Schweizer Exporte in die USA verhängten, hätte man erwarten können, dass der Schweizer Aktienmarkt entsprechend reagiert. Zwar reagierten einige stark betroffene Exponenten mit Kursverlusten, dennoch schloss der Swiss Performance Index den Monat mit einem Plus von 2.3% ab. Haupttreiber dafür ist die Entwicklung von Schwergewichten wie Nestle, Novartis oder diversen Finanzwerten. Der amerikanische S&P 500 oder der Topix in Japan erreichten im Monatsverlauf gar neue Allzeithöchststände und auch der Euro Stoxx 50 notiert derzeit nicht weit davon entfernt. Wir beobachten diese Entwicklung mit einer gewissen Skepsis, denn an Risiken für die Aktienmärkte mangelt es derzeit nicht: Die Zölle sowie die erratische Gangart der amerikanischen Regierung sorgen praktisch täglich für eine neue Ausgangslage für Aktieninvestoren. Doug McMillon, CEO des amerikanischen Detailhändlers Walmart, sagte jüngst, dass die bisherigen Auswirkungen zwar gut verkraftet werden konnten. Gleichzeitig warnte er, dass ein Auffüllen der Lagerbestände zu Preisen nach der Einführung der Zölle die Kosten des Detailhändlers Woche um Woche ansteigen liesse und dass für die kommenden Quartale keine rasche Lösung in Sicht wäre. Für den amerikanischen Konsumenten sind dies keine guten Nachrichten. Im zweiten Quartal stützten tiefere Importe noch das BIP-Wachstum, die Kombination aus hohen Bewertungen am US-Aktienmarkt, einer nach wie vor hohen Inflation und einem allenfalls schwachen Konsum birgt jedoch das Risiko für Kursrückschläge. Wir halten daher Absicherungen im aktuellen Umfeld für sinnvoll.
Das Treffen der US-Notenbank Fed am Jackson Hole Symposium brachte einige spannende Wendungen mit sich. Während man bisher stets aufgrund der Inflationsentwicklung von Zinssenkungen abgesehen hat, schliesst das Fed eine Lockerung der Geldpolitik nicht mehr aus, sofern sich der US-Arbeitsmarkt weiter abschwächt. Dies ist insofern bemerkenswert, als die aktuellen Inflationszahlen der Konsumentenpreise nach wie vor über dem 2%-Ziel notieren und die jüngst veröffentlichte Teuerungsrate der Erzeugerpreise einen weiteren Anstieg der Verbraucherpreise nicht ausschliessen lässt. Im Gegensatz zu den langfristigen US-Zinsen, die in etwa auf demselben Niveau wie zu Monatsbeginn verharrten, fielen die kurzfristigen US-Zinsen. Eine Versteilung der US-Zinskurve war die Folge. In Europa sind die 10-jährigen Zinssätze Frankreichs inzwischen nur noch knapp unter denjenigen Italiens und höher als jene von Spanien. Der US Dollar Index setzte seine Talfahrt im August, nach einer Verschnaufpause im Juli, fort und notiert mit 97.67 bzw. 10% tiefer als noch zu Jahresbeginn. Auch der Schweizer Franken wertete gegenüber dem US-Dollar auf, verlor aber zum Euro 0.9%. Edelmetalle gehörten bei den Rohstoffen einmal mehr zu den stärksten Performern. Der Goldpreis hat das Allzeithöchst im Visier und Silber flirtet mit der 40-USD Marke.
Seit seinem Jahrestief im April als Reaktion auf den «Liberation Day» ist der S&P 500 in Lokalwährung wieder stark angestiegen, aufs Jahr betrachtet sind es 10.8%. In Europa liegen der Euro Stoxx 50, der Swiss Performance Index und der FTSE 100 zwischen 9.2% und 15.6% aufs Jahr, ebenso in Lokalwährung, im Plus. Während die Bewertungen in Europa – im Gegensatz zu den USA – auf einem vergleichsweise tiefen Niveau liegen bleibt dennoch zu bedenken, dass zu Jahresbeginn ein Handelskrieg in diesem Ausmass nicht erwartet wurde. Im Vergleich zum Jahresbeginn sehen wir die aktuelle wirtschaftliche Lage eher kritisch und sind daher in Anbetracht der stattlichen Kursavancen vorsichtiger geworden. Wir haben die Aktienquote mittels Rebalancings bewirtschaftet. An unseren asymmetrischen Absicherungen halten wir fest und würden diese bei grösseren Rücksetzern auflösen und im Gegenzug Aktien zukaufen. Eine breite Vermögensdiversifikation mit einem Fokus auf Realwerte bleibt dabei der Kern unserer Strategie.