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Allgemein

Die Finanzmärkte standen im Juli erneut im Spannungsfeld geopolitischer Entwicklungen und geldpolitischer Unsicherheit. Das Wiederaufflammen des Konflikts im Nahen Osten sowie die anhaltenden Einschränkungen rund um die Strasse von Hormus sorgten für erhöhte Schwankungen an den Energiemärkten. Der Ölpreis beendete den Monat deutlich höher als im Juni. Die FED beliess den Leitzins unverändert und bekräftigte weiterhin ihren Fokus auf die Inflationsbekämpfung. Auch die EZB verzichtete nach der Zinserhöhung im Juni auf einen weiteren Schritt und beliess die Leitzinsen unverändert. Die Aktienmärkte wurden weiterhin von einer soliden Berichtssaison zum zweiten Quartal unterstützt. Trotz vielfach übertroffener Gewinnerwartungen fielen die Kursreaktionen verhalten aus. Insbesondere im Technologiesektor steigen die Anforderungen der Anleger an weiteres Gewinnwachstum, während die Nachhaltigkeit des KI-Booms zunehmend kritisch hinterfragt wird.

Aktienmärkte

Die Berichtssaison zum zweiten Quartal verläuft bislang aussergewöhnlich stark. 86% der bisher berichtenden S&P-500-Unternehmen übertrafen die Gewinnerwartungen, die Gewinne liegen aggregiert rund 31% über den Schätzungen. Das erwartete Gewinnwachstum des S&P 500 erreicht aktuell rund 38% gegenüber dem Vorjahr und damit den höchsten Wert seit 2021. Trotz dieser positiven Fundamentaldaten reagierten die Aktienmärkte zurückhaltend. Insbesondere im Technologiesektor zeigt sich, dass selbst deutliche Gewinnüberraschungen nicht mehr automatisch zu Kursgewinnen führen. Die Erwartungen an den KI-Zyklus und die zukünftige Kapitalrendite der hohen Infrastrukturinvestitionen sind mittlerweile entsprechend hoch. Zusätzliche Diskussionen lösten Berichte über eine mögliche Finanzierungslösung zwischen Nvidia und OpenAI für eines der weltweit grössten Rechenzentren in Ohio aus. Kritiker sehen darin Parallelen zu früheren Formen des «Vendor Financing», bei denen Lieferanten indirekt ihre eigene Nachfrage finanzieren. Unabhängig von der tatsächlichen Ausgestaltung zeigt die Diskussion, dass Investoren die Nachhaltigkeit des KI-Booms vermehrt kritisch hinterfragen. Auch die Momentum-Prämie geriet im Juli deutlich unter Druck. Der von Barclays beobachtete Momentum-Faktor verlor innerhalb eines Monats rund 20% und verzeichnete damit eine der stärksten Korrekturen seit 2004. Nach der langjährigen Dominanz von Technologie- und KI-Titeln kam es zu einer ausgeprägten Faktorrotation, weil steigende Realzinsen und hohe Bewertungen zu einer kritischeren Einschätzung des KI-Investitionszyklus führten. Solche temporären Rückschläge sind ein wiederkehrender Bestandteil systematischer Momentum-Strategien und historisch eng mit der langfristigen Faktorprämie und Überrendite gegenüber dem Markt verbunden. Für langfristig orientierte Anleger ist daher weniger das Timing von Trendwenden entscheidend als die konsequente Umsetzung des Investmentprozesses. Dieser Grundsatz gilt generell beim Investieren .

Zinsen / Währungen / Rohstoffe

Die FED beliess den Leitzins im Juli unverändert bei 3,75%. Die Notenbank verwies weiterhin auf eine robuste Wirtschaftsentwicklung, getragen von solider Aktivität, Produktivitätsgewinnen und hohen Investitionen. Gleichzeitig bekräftigte sie erneut ihr Ziel, die Inflation nachhaltig auf das Zielniveau zurückzuführen. Auch die anschliessende Pressekonferenz lieferte wenig zusätzliche Hinweise zur zukünftigen Geldpolitik. Der Markt reagierte dennoch deutlich: Während die Renditen am kurzen Ende leicht zurückgingen, stiegen die langfristigen Renditen stark an. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen überschritt dabei die Höchststände aus dem Jahr 2007. Die Zinskurve versteilerte sich damit deutlich – ein Signal, dass der Anleihemarkt die langfristigen Inflations- und Fiskalrisiken weiterhin kritisch bewertet. Auch die Bank of Japan liess den Leitzins unverändert und wie erwartet bei 1%. Ein nächster Schritt wird ab frühestens September erwartet. Interventionen am Devisenmarkt liessen den schwachen JPY vorübergehend stabilisieren. Der Ölpreis legte um über 20% zu. Edelmetalle konnten sich nach der kräftigen Korrektur im ersten Quartal stabilisieren und eine Bodenbildung einleiten. Nach dem Rückgang von rund USD 5'500 erscheint die Anlageklasse aus unserer Sicht wieder attraktiver.

Fazit

Die geopolitischen Risiken bleiben ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Insbesondere der Konflikt im Nahen Osten könnte die Märkte kurzfristig weiter beeinflussen. Der Iran verfügt dabei über einen wichtigen Hebel: Die Möglichkeit, den Ölmarkt über die Strasse von Hormus zu beeinflussen, bleibt ein zentrales Druckmittel. Gleichzeitig steht die US-Regierung mit den bevorstehenden Midterm-Wahlen vor einem zusätzlichen politischen Spannungsfeld. Der Ölpreis dürfte damit weiterhin ein wichtiger Indikator für eine mögliche Deeskalation oder eine erneute Eskalation bleiben. Trotz dieser Risiken präsentiert sich die globale Wirtschaft weiterhin robust. Die aktuellen Unternehmensdaten zeigen weiterhin solides Gewinnwachstum. Vor diesem Hintergrund sehen wir derzeit keinen Anlass die Aktienquoten aufgrund kurzfristiger Unsicherheiten grundsätzlich zu reduzieren. Langfristig bleiben Aktien der zentrale Baustein für den realen Vermögensaufbau. Mit einer sinnvollen Vermögensdiversifikation tragen wir dem aktuellen Umfeld Rechnung und halten an unserem Fokus auf Realwerte sowie der konsequenten, langfristig ausgerichteten Anlagestrategie fest.

 

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