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Allgemein

Das Wachstum des US-Bruttoinlandprodukts von annualisierten 3% lässt auf den ersten Blick vermuten, dass die USA in einer ausgezeichneten wirtschaftlichen Verfassung sind. Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dass dieses Wachstum hauptsächlich auf die eingebrochenen Importe zurückzuführen ist, die im Vorquartal noch für ein schrumpfendes BIP gesorgt haben. Derartige Schwankungen dürften eine direkte Auswirkung der Verhandlungstaktik des US-Präsidenten in Handelsangelegenheiten sein. Auch die Eurozone übertraf mit einem im Vergleich zu den USA deutlich bescheideneren Wachstum von 0.1% die Erwartungen. In der zweiten Julihälfte schlossen sowohl Japan als auch die EU jeweils ein Handelsabkommen mit den USA ab, das für Japan sowie die EU einen Zollsatz von 15% für Importe in die USA vorsieht. Die Zollsätze liegen somit in beiden Fällen deutlich tiefer als die ursprünglich angedrohten Sätze (25% für Japan bzw. 30% für die EU) – im Gegensatz zu demjenigen für die Schweiz, der mit 39% sehr hoch ist. Oberflächlich betrachtet scheinen die Abkommen jeweils gute «Deals» für die USA zu sein, da der amerikanische Staat an Importen mitverdient. Letztendlich dürften die Zölle aber für ein höheres Preisniveau für amerikanische Konsumenten sorgen und sowohl das amerikanische Wachstum wie auch dasjenige der Gegenpartei beeinträchtigen. Sowohl die Europäische Zentralbank EZB und die US Fed beliessen ihren jeweiligen Leitzins unverändert bei 2.15% respektive 4.25% - 4.5%. Die EZB begründete ihren Entscheid einerseits mit der Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung und damit, dass die Konsumentenpreisinflation mit 2% aktuell dem Ziel der EZB entspreche. Die amerikanische Zentralbank hat mit Blick auf die US-Handelspolitik und deren mögliche Auswirkungen unserer Ansicht nach mit einer ungleich höheren Unsicherheit zu kämpfen. Dass sie unter dem Druck des US-Präsidenten nicht einknickt, ist aus unserer Sicht ein positives Zeichen in Bezug auf die Unabhängigkeit der Fed. Und Zweifel an dieser würden sich an den Finanzmärkten entsprechend auswirken.

Aktienmärkte

Die Gewinnberichtssaison ist in vollem Gange. Ein Grossteil der Unternehmen vermochte die Analystenerwartungen zu übertreffen und überraschte die Märkte positiv. Auch die bisher abgeschlossenen Handelsabkommen zur Vermeidung von hohen Zöllen trugen zu einer grösstenteils positiven Entwicklung der Aktienmärkte bei, da sie einerseits Unsicherheit beseitigten und andererseits tiefere Zölle verhandelt wurden als befürchtet. Mit unserer vorsichtig optimistischen Einschätzung und einer damit einhergehenden Positionierung lagen wir bisher richtig, so dass unsere Kunden überdurchschnittlich von den steigenden Aktienmärkten profitieren konnten. Hohe Bewertungen in einigen Teilen des Aktienmarkts und eine nach wie vor hohe Unsicherheit in Bezug auf die globale Handelssituation trüben unseren Optimismus für die Zukunft jedoch zusehends etwas ein. Das Shiller-KGV für den S&P 500 hat diesen Monat das Hoch aus dem Jahr 2021 überschritten. Dies stellt kein Problem dar, solange die entsprechenden Indexschwergewichte Quartal für Quartal Ergebnisse liefern, wie sie es in den vergangenen Quartalen und Jahren getan haben. Sollte deren Wachstum allerdings abflachen, dürfte eine entsprechende Neubewertung an den Märkten stattfinden. Es gilt daher, eine solide Diversifikation aufrecht zu halten und auch an anderen Orten nach Qualität und Wachstum Ausschau zu halten.

Zinsen / Währungen / Rohstoffe

Nachdem der US-Dollar im ersten Halbjahr stark gefallen ist – gemessen am US-Dollar Index waren es fast 11% – konnte er im vergangenen Monat um gut 3.2% zulegen und wertete auch gegenüber dem Schweizer Franken um 2.4% auf. Im Vergleich zu den übrigen grösseren Währungen war der Schweizer Franken im Juli nichtsdestotrotz stark. Bemerkenswert ist auch der Ölpreis, der für viele Unternehmen nach wie vor ein wichtiger Faktor in der Erfolgsrechnung darstellt und in den vergangenen drei Monaten stark angestiegen ist – von USD 63.1 Ende April auf USD 72.5 Ende Juli für ein Fass der Sorte Brent. Gold und Silber schlossen im Vergleich zum Vormonat höher und leisteten für unsere Kunden positive Kontributionen.

Fazit

Die aktuelle Situation ist für Investoren herausfordernd. Die Unsicherheit rund um die Handelszölle, Anzeichen für eine konjunkturelle Abschwächung und geopolitische Risiken, gleich aus verschiedenen Teilen der Welt, stimmen uns vorsichtig. Militärische Konflikte – so haben diverse Ereignisse in den vergangenen Monaten und Jahren gezeigt – bergen stets das Risiko von hohen Rohstoffpreisen und damit einhergehend einer ansteigenden Inflationsrate. Dasselbe dürfte auch für Handelszölle gelten. Eine «normale» wirtschaftliche Abschwächung wirkt hingegen üblicherweise deflationär. Eine erstaunlich grosse Anzahl Unternehmen scheint zudem bislang relativ gut mit den vielfältigen Risiken zurecht zu kommen. Das Spektrum an Szenarien für die kommenden Monate ist unbestritten gross. Ein gut diversifiziertes Portfolio mit den richtigen Akzenten dürfte sich in derartigen Zeiten einmal mehr auszahlen. Unsere Asset Allocation haben wir entsprechend weitsichtig gestaltet. Verglichen zum Monatsbeginn halten wir eine leicht tiefere Obligationenquote und haben den Schwellenländeranteil innerhalb der Aktienquote leicht erhöht, während wir die US-Aktienquote mit Put-Optionen teilabgesichert haben.

 

Marktdaten   Monatschart