In Europa wurden die Karten auf der politischen Bühne neu gemischt. Die Labour-Partei hat in Grossbritannien einen überwältigenden Sieg errungen, während die Konservativen nach 14 Jahren turbulenter Regierungszeit zusammenbrachen. Keir Starmer heisst der neue Premierminister Grossbritanniens. Der Erdrutschsieg wurde begünstigt durch die Zerstrittenheit im Lager der Konservativen (Tories). Trotz der Euphorie über den Wahlsieg stehen der neuen Regierung erhebliche wirtschaftliche Herausforderungen bevor, um dem Wahlversprechen zum neuen Wohlstand nachkommen zu können. In Frankreich fiel bei der Wahl der Nationalversammlung der befürchtete Rechtsrutsch schwächer aus als angenommen. In den USA erwirkte die demokratische Partei mittels Powerplay im Hintergrund den Rücktritt von Joe Biden als Präsidentschaftskandidaten und es ist davon auszugehen, dass Kamala Harris als neue Kandidatin ins Rennen geschickt wird. Die US-Kerninflation hat sich im Juni 2024 auf den niedrigsten Stand seit 2021 abgekühlt, mit einem Anstieg des Kernverbraucherpreisindex von nur 0,1% gegenüber dem Vormonat. Trotz der nachlassenden Inflation bleibt die Nachfrage von Haushalten und Unternehmen noch robust. Die Beschäftigungsrate und das Lohnwachstum haben sich verlangsamt, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Federal Reserve in den kommenden Monaten den Leitzins senken wird. Als Frühindikator für einen sich abkühlenden Arbeitsmarkt indizierten die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA im Juli den höchsten Stand seit einem Jahr. In der Eurozone hat sich die Inflation im Juni auf 2,5% verlangsamt. Das Wachstum der Privatwirtschaft ist schleppend, insbesondere in Deutschland, wo ein unerwarteter Rückgang verzeichnet wurde. Die EZB hat die Zinsen unverändert belassen, erwägt jedoch zusätzliche Zinssenkungen, wenn die Inflation weiter nachlässt. Auch die Chinesen haben die Zinsen im Juli wegen dem unterdurchschnittlichen Wachstum gesenkt. Die Wirtschaft Chinas lahmt weiterhin wegen schwachem Konsum. Die Zinserhöhung der Bank of Japan wirkt im Umfeld von weltweiten Zinssenkungen dagegen bizarr. Die Bank of Japan (BOJ) hat ihren Leitzins angehoben und Pläne zur Reduzierung des Anleihekaufs bekannt gegeben, um ihre Entschlossenheit zur Normalisierung der Geldpolitik zu unterstreichen. Der Leitzins wurde auf etwa 0,25% angehoben, während die monatlichen Anleihekäufe im ersten Quartal 2026 auf etwa 3 Billionen Yen (19,6 Milliarden USD) reduziert werden sollen. Dies ist ungefähr die Hälfte der bisherigen Käufe. Der BOJ Governeur Kazuo Ueda leitet allmählich die Abwendung der ultralockeren Geldpolitik, hin zu einer Normalisierung ein. Die Massnahmen könnten Spekulationen anheizen, dass in diesem Jahr eine weitere Zinserhöhung bevorsteht.
Die Aktienmärkte erlebten im Juli eine gesunde Rotation. US-Technologieaktien fielen teils sehr stark. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit einer Rotation von grossen Technologiewerten hin zu zyklischen Marktbereichen, die nach Anzeichen einer abkühlenden Inflation und Hoffnungen auf Zinssenkungen durch die Federal Reserve im September an Fahrt gewonnen hat. Besonders bemerkenswert war die starke Performance des Russell 2000, der den technologielastigen Nasdaq 100 um zeitweise rekordhohe 12% Prozentpunkte übertraf. Diese Rotation von Megacaps zu Small Caps wird als Zeichen dafür gewertet, dass sich die Marktrallye verbreitert. Die jüngsten Finanzergebnisse von Alphabet zeigen ein gemischtes Bild. Während das Unternehmen weiterhin stark beim Umsatz abschneidet, belasten hohe Ausgaben für zukunftsorientierte Technologien wie KI den Gewinn. Investoren sind besorgt über die Höhe dieser Ausgaben und die Unsicherheit darüber, wann sich diese Investitionen auszahlen werden. Dieselben Sorgen gepaart mit schwächerem Umsatzwachstum der Azure Cloudsparte machten sich beim Zahlenkranz von Microsoft bemerkbar, welche nachbörslich wegen den steigenden Ausgaben um bis zu 7% abrutschte. Die Magnificient 7 Aktien erlebten den stärksten Rückgang seit 2022. Die Gewinnsaison verläuft derweil leicht positiv. In den USA haben die Gewinn- und Umsatzüberraschungen in der noch jungen Berichtssaison nach wie vor eine marginal bessere Tendenz als erwartet. Die Revisionen zeichnen jedoch seit Wochen diesseits und jenseits des Atlantiks ein negatives Bild und Spuren vom schwachen China Konsum machen sich punktuell bei den Luxusgüterproduzenten bemerkbar.
Mit dem schwächeren globalen Wachstumsausblick, der fallenden Inflation und den nahenden Zinssenkungen der EZB und FED sind die Renditen der wichtigen Staatsanleihen wieder gefallen. Der Schweizer Franken war einmal mehr gesucht im geopolitisch unsicheren Umfeld. Der Preis für Gold avancierte um knapp 4%, Silber verlor 2%. Die Konjunkturunsicherheit liess sensitive Metalle wie Aluminium, Stahl und Kupfer einbrechen. Der Ölpreis rutschte um 7% ab.
Ob die im Juli eingeläutete Korrektur an den Aktienmärkten schon vorüber ist, wird sich zeigen. Mit sich mehrenden Zeichen einer Wachstumsabschwächung werden sich die Finanzmärkte nach dem starken Halbjahr erstmal weiter von Datenpunkt zu Datenpunkt tasten. Der Hype rund um die künstliche Intelligenz schuldet zudem den Nachweis einer gewinnbringenden Investition. Bisher lohnt sich das Geschäft vor allem für die Hersteller der benötigten Hardwarekomponenten und Ausrüster für Infrastruktur. Demgegenüber stehen die Notenbanken, welche die Zinsen zu senken beginnen, um den Arbeitsmarkt- und Konsum nicht zu stark zu belasten. Dieses Szenario geht auf, sofern die Inflation weiter rückläufig ist und bisher spielt der Trend einigermassen mit. Einzig die Komponenten der Dienstleistungsinflation verbleiben etwas hartnäckiger auf hohen Levels, was die US-Notenbank zum weiteren Abwarten zwingt. Die Zinsmärkte wittern hingegen bereits Notwendigkeit für einen baldigen Zinsschritt aufgrund der schwächeren Arbeitsmarktdaten. Diese Hoffnung führt bis dato zu einer gesunden Rotation, welche sich als nachhaltig erweisen könnte, sofern die Weltwirtschaft nicht in eine tiefe Rezession rutscht. Ein gut diversifiziertes Portfolio profitiert von der jüngst wieder entdeckten Begeisterung günstiger «Nachzügler» am Aktienmarkt. Insbesondere geniessen Schweizer Pharmawerte Roche, Lonza oder Novartis nach soliden Abschlüssen und attraktiven Dividenden wieder vermehrt die Gunst der Anleger. Die Rekalibrierung des Marktes an die Wachstumsunsicherheiten dürfte in den kommenden Monaten weiter zu Volatilität führen. Für stärkere Rückschläge an den Aktienmärkten sind wir mittels einem hohen Diversifikationsgrad und Absicherungen vorbereitet. Ausgeprägte Rücksetzer sehen wir als taktische Chance für eine Erhöhung der Aktienquote auf die lange Frist.