Gerade als wir in unserem letzten Marktkommentar eine Beruhigung im von den USA initiierten Handelskonflikt festgestellt hatten, stellte der US-Präsident zu Monatsbeginn erneut mögliche Zollmassnahmen in Aussicht – und legte im weiteren Juniverlauf mit zusätzlichen Drohungen dieser Art nach. Wie bereits in der Vergangenheit bleibt dabei unklar, wie eine allfällige Umsetzung konkret ausgestaltet wäre. Ungeachtet dessen sind die Frachtraten im Seeverkehr auf den höchsten Stand seit April 2025 gestiegen. Haupttreiber sind vorgezogene Lieferungen («Frontloading») aus Vorsicht vor den möglichen Zollerhöhungen sowie das Bestreben, potenziellen Engpässen und steigenden Treibstoffkosten im Zuge der aktuellen Nahostkrise zuvorzukommen. Der Ölpreis Brent ist derweil wieder auf das Niveau vor dem Iran‑Konflikt zurückgefallen, da Marktteilnehmer zunehmend von einer Normalisierung der Lage ausgehen und kurzfristig ein Überangebot antizipieren. Trotz der jüngsten Spannungen, die zeitweise bedeutende Ölvolumen im Golf beeinträchtigten, deuten steigende Tankerbewegungen auf eine Entspannung der Versorgungslage hin. Dies dürfte auch im Sinne des Fed‑Vorsitzenden Kevin Warsh sein. Dieser bekräftigte an seiner ersten Sitzung als Vorsitzender der US-Notenbank die Absicht, die nach wie vor erhöhte Inflation entschlossen zu bekämpfen, was zu einer spürbaren Entlastung der Inflationserwartungen beitrug. Neben den sinkenden Ölpreisen wird dies auch dem restriktiveren geldpolitischen Kurs zugeschrieben, der Befürchtungen mindert, Warsh könnte politischem Druck nachgeben. Vor diesem Hintergrund dürften auch die weiteren Zinsentscheide der Europäischen Zentralbank im Jahresverlauf spannend zu beobachten sein.
Sich im ersten Halbjahr 2026 allzu intensiv an geopolitischen Entwicklungen zu orientieren und entsprechende Anlageentscheide daraus abzuleiten, hätte sich als wenig zielführend erwiesen – zu diesem Schluss kommt auch eine Analyse der Financial Times. Noch zum Ende des ersten Quartals deutete wenig darauf hin – im darauffolgenden Quartal entwickelten sich US‑Aktien jedoch ausgesprochen stark, auch wenn sie im Juni wieder zu den schwächeren Märkten zählten. Trotz weiterhin hoher Bewertungen ist ein wesentlicher Teil der Kursgewinne auf gestiegene Analystenschätzungen und Gewinne zurückzuführen. Basierend auf den erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnissen erscheinen US-Aktien inzwischen sogar günstiger als noch zu Jahresbeginn. Allerdings konzentrieren sich die Aufwärtsrevisionen in auffälligem Masse auf wenige Unternehmen: Rund zwei Drittel des gesamten Gewinnwachstums entfallen auf lediglich zehn Firmen. Bemerkenswert ist, dass genau diese Unternehmen an den Aktienmärkten nicht durchgehend überproportional profitieren konnten. Dies deutet darauf hin, dass das Narrativ einer breit abgestützten, gewinngetriebenen Rally nur der halben Wahrheit entspricht – und die zugrunde liegenden Marktbewegungen komplexer sind, als es die aggregierten Gewinnerwartungen vermuten lassen. Die Entwicklung deutet auf einen möglichen Führungswechsel im Technologiesektor hin: Anstelle von Software- und Internetkonzernen rücken zunehmend die Anbieter von KI‑Infrastruktur in den Fokus. Ob sich dieser Trend nachhaltig durchsetzt, bleibt abzuwarten – ebenso wie die Implikationen für geplante Börsengänge wie jene von OpenAI und Anthropic.
Der US‑Arbeitsmarkt präsentiert sich weiterhin robust, was eher Überhitzungs- als Rezessionssorgen nährt und den Druck auf die Notenbank erhöht, an einem restriktiven Kurs festzuhalten. In Europa könnte hingegen der Rückgang der Ölpreise – sofern sich dieser als nachhaltig erweist – erstmals seit Monaten inflationseindämmend wirken und damit den geldpolitischen Ausblick der EZB beeinflussen, auch wenn die Kerninflation aktuell weiterhin erhöht bleibt. Bemerkenswert war im Berichtsmonat zudem ein weiteres Ereignis: Kurz nach dem Börsengang von SpaceX kündigte das Unternehmen die Emission neuer Anleihen im Umfang von USD 25 Mrd. an. Einige davon gerieten bereits kurz nach der Platzierung wegen zunehmenden Zweifeln an der langfristigen Stabilität und Bonität des Unternehmens unter Druck. In der Folge handeln die Anleihen trotz Investment‑Grade‑Rating mit deutlich erhöhten Spreads, die eher charakteristisch für Emittenten im spekulativen Segment sind. Wir werten diese Entwicklung als konstruktives Signal: Während Aktionäre naturgemäss stärker auf ambitionierte Zukunftsszenarien fokussieren, kommt Anleiheinvestoren die Rolle zu, finanzielle Disziplin bei Ausgaben und Verschuldung einzufordern. Ihr Ertragspotenzial ist auf die Verfallrendite begrenzt, während Aktionäre vom langfristigen Wachstumspotenzial profitieren können. An den Rohstoffmärkten gehörten Öl und Edelmetalle zu den schwächeren Segmenten. Gold stand unter anderem aufgrund der überraschend restriktiven Haltung der Fed unter Druck, während die Annäherung in den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran den Ölpreis belastete.
Seit Anfang März war die Strasse von Hormus grösstenteils geschlossen und ist mittlerweile wieder eingeschränkt passierbar – dennoch durchqueren im Vergleich zur Vorkrisenzeit weiterhin nur ein Bruchteil der Schiffe die Passage. Der Ölpreis ist derweil auf das Niveau von vor Ausbruch des Konflikts zurückgekehrt. Diese Entwicklung lässt sich kurzfristig unter anderem mit einem temporären Überangebot sowie der Umlenkung von Handelsströmen begründen. Andere Faktoren – etwa beschädigte Produktionskapazitäten oder das Auffüllen strategischer Reserven – dürften sich hingegen erst mit Verzögerung bemerkbar machen. Ob und in welchem Ausmass diese längerfristigen Effekte ins Gewicht fallen, hängt wiederum von einer Reihe weiterer Einflussfaktoren ab. Am Aktienmarkt sind wir derzeit im Schweizer Markt übergewichtet. Ausschlaggebend ist die Kombination aus hoher Qualität, defensiver Ausrichtung sowie einer im Quervergleich attraktiven Bewertung. Den erhöhten Bewertungen in den USA sowie in Teilen Europas begegnen wir mit entsprechenden Teilabsicherungen in Form von Put-Optionen. Den jüngsten Rücksetzer bei grossen US‑Technologieaktien haben wir genutzt, um einen qualitativ hochwertigen Titel zu einer attraktiven Bewertung zu erwerben und eine entsprechende Position aufzubauen. Insgesamt legen wir weiterhin Wert auf eine ausgewogene Diversifikation und halten an einer Übergewichtung von Realwerten fest.