Rund um den von den USA angestossenen Handelskonflikt ist es zuletzt spürbar ruhiger geworden. Dies dürfte zum einen daran liegen, dass die Vereinigten Staaten aktuell durch den Konflikt mit Iran absorbiert sind. Zum anderen haben mehrere Gerichtsurteile den Handlungsspielraum des US-Präsidenten eingeschränkt, kurzfristig hohe Zölle zu verhängen – und ihm damit ein zentrales aussenwirtschaftliches Druckmittel teilweise aus der Hand genommen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die US-Konsumentenpreise nach Einführung der Handelszölle zunächst weniger stark anzogen als vielfach erwartet. Erst in den Monaten März und April – und damit im Zuge der Eskalation im Nahen Osten – zog die Inflation spürbarer an, diesmal jedoch mit globaler Dimension. In der Folge haben sich die Markterwartungen deutlich verschoben: Während zu Jahresbeginn noch Zinssenkungen im Fokus standen, wird nun vielerorts eher mit Zinserhöhungen bis Jahresende gerechnet. Gleichzeitig richtet sich der Blick der Märkte gespannt auf die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran – in der Hoffnung, dass die strategisch bedeutende Strasse von Hormus bald wieder uneingeschränkt passierbar wird. Die Lage an den Ölmärkten dürfte sich laut dem CEO von Chevron selbst im Falle einer Entspannung nur langsam normalisieren. Beschädigte Infrastruktur und gestörte Lieferketten werden die Versorgung voraussichtlich noch über längere Zeit beeinträchtigen. Zudem dürften viele Staaten ihre strategischen Ölreserven wieder aufstocken, was die Nachfrage erhöht und den Preisdruck verstärken könnte.
Die anstehenden Mega-IPOs von SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten sich als Wendepunkt für die Marktstruktur erweisen. Neue „Fast-Entry“-Regeln ermöglichen es, dass diese Titel nahezu unmittelbar nach dem Börsengang in zentrale Indizes aufgenommen werden und damit automatisch Milliarden an passiven Kapitalzuflüssen auslösen – weitgehend unabhängig von Bewertung oder Profitabilität. Besonders bemerkenswert ist dabei die vorläufige Einordnung von SpaceX durch FTSE Russell als Telekommunikationsunternehmen. Aufgrund fehlender klassischer Wachstumskennzahlen landet ein Grossteil der Aktie in „Value“-Indizes – ein rein technischer Effekt. Insgesamt unterstreicht dieser Fall die wachsende Bedeutung indexgetriebener Nachfrage: Grosse IPOs sind heute in der Lage, innerhalb kürzester Zeit erhebliche passive Zuflüsse zu generieren und damit Bewertungen zu stützen, selbst bei hohen Bewertungskennzahlen und begrenzter Visibilität auf die Ertragslage. In der Folge wird die Preisbildung – insbesondere in der Frühphase nach dem Börsengang – zunehmend von Indexmechaniken geprägt und weniger von fundamentalen Faktoren bestimmt. In diesem Umfeld erweist sich die konsequente Ausrichtung auf bewährte Anlageprinzipien als zentral. Wir setzen gezielt auf die Faktoren Qualität und Momentum: Während Momentum von bestehenden Markttrends profitiert, stehen bei Qualitätsstrategien Unternehmen mit hoher, stabiler Profitabilität und solider Bilanzstruktur im Vordergrund. Beide Faktoren haben sich historisch als robuste Renditetreiber erwiesen und ergänzen sich zu einem ausgewogenen Anlageansatz.
Die Renditen langfristiger Staatsanleihen sind seit Jahresbeginn in vielen Regionen gestiegen und erscheinen damit auf den ersten Blick attraktiver. Gleichzeitig trifft eine wieder aufflammende Inflation auf hoch verschuldete Staaten, die weiterhin erhebliche Ausgaben schultern müssen. Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass Investoren höhere Renditen als Ausgleich für die eingegangenen Risiken fordern. Ein Nachlassen geopolitischer Spannungen – ebenso wie die zuletzt gesunkenen Ölpreise – könnte zwar für Entlastung sorgen. Dennoch bleibt eine Phase erhöhter Marktschwankungen ebenso wahrscheinlich. Im Währungsbereich fällt insbesondere der deutliche Anstieg der Transaktionen im chinesischen Zahlungssystem CIPS seit Beginn des Konflikts ins Auge. Ein wesentlicher Treiber dürfte der Energiesektor sein, da Sanktionen gegen Russland und Iran Länder wie Indien dazu zwingen, Öl vermehrt in Renminbi zu bezahlen, weil Zahlungen in US-Dollar oft nicht möglich sind. Dadurch gewinnt die chinesische Währung im globalen Ölhandel schrittweise an Bedeutung – wenn auch von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau aus. Der US‑Dollar bleibt mit einem Anteil von rund 80 % weiterhin klar dominierend. Auch am Goldmarkt machten sich sowohl die geopolitischen Entwicklungen als auch die gestiegenen Anleiherenditen bemerkbar. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen 18 Monate gab der Goldpreis im Mai zwar leicht nach, liegt im Vergleich zum Jahresbeginn jedoch weiterhin im Plus.
Der US‑Aktienmarkt – gemessen am S&P 500 – hat sich seit Ende März mit einem äusserst starken Anstieg ausgesprochen stark entwickelt. Treiber dieser Dynamik waren in erster Linie die grossen US‑Technologiewerte. Während wir in der Schweiz eine hohe Indexkonzentration auf wenige Titel gewohnt sind, erscheinen die Bewertungen am US‑Aktienmarkt inzwischen zunehmend ambitioniert und mahnen zur Vorsicht. Vor diesem Hintergrund haben wir in der zweiten Maihälfte die Strikes unserer Put‑Optionen angepasst, um uns gezielt gegen mögliche Marktverwerfungen abzusichern. Grundsätzlich sehen wir weiterhin interessante Chancen an den globalen Aktienmärkten – allerdings vorwiegend ausserhalb der grossen US‑Indexschwergewichte. Bei Anleihen gehen wir Fremdwährungsrisiken nur sehr selektiv ein. Faktoren wie die aktuell hohe globale Staatsverschuldung sowie erhöhte Inflationsrisiken haben historisch eher den Schweizer Franken gestützt. Zudem gewichten wir Unternehmensanleihen mit hoher Bonität zulasten von Staatsanleihen höher. Ergänzend setzen wir auf ausgewählte Strategien im Bereich alternativer Anlagen sowie auf Engagements in Gold, Rohstoffen und Schweizer Immobilien. Insgesamt sind unsere Portfolios breit diversifiziert und so ausgerichtet, dass sie – entsprechend der aktuellen Marktlage – für eine Vielzahl möglicher Szenarien gut positioniert sind.