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Allgemein

Trotz eines Rückgangs im April weisen die Aktienmärkte je nach Region und Index positive Renditen seit Jahresbeginn auf. Der S&P 500 legte bis dato 5.5% zu, während der SMI im internationalen Vergleich mit +1.1% (inkl. Dividenden +3.9%) bislang deutlich weniger Dynamik aufzeigte. Die Anleihenmärkte erlebten im selben Zeitraum eine Schwächephase – globale Investment Grade Anleihen fielen in CHF gerechnet um rund 3% im laufenden Jahr. Trotz eines starken Anstiegs bei US-Löhnen und Einzelhandelsdaten, was auf eine robuste Wirtschaft hinweist, betrug das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal 2024 lediglich 1,6% (annualisiert) und markiert das erste Quartal mit unterdurchschnittlichem Wachstum seit dem zweiten Quartal 2022. Die Inflation ist inzwischen hartnäckiger und die jüngsten Daten deuten auf einen anhaltenden Preisdruck hin. Entsprechend sind die Aussichten auf baldige Zinssenkungen durch die Fed inzwischen deutlich gedämpft. Notenbankchef Powell machte klar, dass die Zinsen aber dieses Jahr nicht steigen sollten. Andere grosse Zentralbanken wie die Europäische Zentralbank oder die Bank of England, könnten die Zinsen bereits vor der Fed senken, sollte sich das anämische Wachstum nicht verbessern. Immerhin lag das Wachstum der Eurozone im ersten Quartal bei 0,3% gegenüber dem Vorquartal, während die Inflation im April unverändert bei 2,4% lag. Die Weltbank warnt, dass ein Anstieg der Konflikte im Nahen Osten die Rohstoffpreise weiter in die Höhe treiben könnte, insbesondere bei Brent, dem globalen Rohöl-Benchmark, dessen Preis 2024 durchschnittlich 84 Dollar pro Barrel erreichen könnte. Zudem wird erwartet, dass die Kosten für wichtige Metalle, die für die globale Energiewende benötigt werden, wie Kupfer und Aluminium, im Laufe des Jahres steigen werden. Diese Projektionen könnten eine erneute Herausforderung für die Weltwirtschaft darstellen – insbesondere erneute Energiepreisschocks, welche zu einem erneuten Inflationsanstieg führen würden. Der Balanceakt zwischen Geld- und Fiskalpolitik, Inflation und Wachstum wird zunehmend schwieriger.

Aktienmärkte

Die Aktienmärkte erlebten Ende April eine turbulente und insgesamt negative Phase aufgrund von Sorgen über die hartnäckige Inflation und deren Einfluss auf die Zinspolitik der Federal Reserve. Der S&P 500 verzeichnete seinen schlechtesten Monat seit September und beendet damit auch die Gewinnserie, welche seit November bis März gehalten werden konnte. Es besteht eine wachsende Besorgnis, dass die Fed die Zinsen möglicherweise länger hochhalten muss, um die Inflation in den Griff zu bekommen, was den Druck auf die Aktienmärkte weiter erhöht. Diese Herausforderungen haben solide Gewinnberichte am Markt etwas in den Hintergrund rücken lassen. Die bisherigen Gewinnberichte zeigen, dass über 80% der US-Unternehmxen die Gewinnerwartungen übertreffen und im Jahresvergleich für das erste Quartal um 4.7% angestiegen sind. Der SPI Index verlor im April 2.4%, der Dow Jones Index büsste 5.0% ein und der Euro Stoxx 50 gab 3.2% nach. KI-Titel in den USA, welche bislang ein starkes Gewinnwachstum verzeichneten, verzeichneten teilweise ausgeprägtere Rücksetzer. In absoluten Zahlen fielen folgende Verluste an (Q1 Gewinne in Klammern): Nvidia -85 Milliarden (1000 Mia.), Microsoft -210 Milliarden (330 Mia.) und Meta -140 Milliarden (330 Mia.).

Zinsen, Währungen & Rohstoffe

Die Renditen für zweijährige US-Staatsanleihen überschritten erstmal seit November 2023 die 5%-Marke und der Dollarindex erzielte den vierten monatlichen Gewinn in Folge, die längste Gewinnserie seit September 2022. Der USD erreichte 92 Rappen zum CHF. Trotz stärkerem USD und höheren Zinsen stieg der Goldpreis weiter an, bevor dieser zum Monatsende hin Gewinnmitnahmen verzeichnete. Auf Monatssicht konnte Gold in USD gerechnet knapp 2.5% zulegen. Die stärke im Gold zeigt sich auch auf längere Frist, so hat man in einem Fünfjahreszeitraum am Weltaktienmarkt in USD gerechnet knapp 69% Rendite erzielt, Gold haussierte in derselben Periode 74%. Auch über einen Dreijahreszeitraum hat der Goldpreis die Nase vorne (+28% gegenüber Weltaktien +20%) – siehe hierzu FOKUS. Möglich, dass diese Dynamik ein Ausdruck eines veränderten Ausblicks für die Weltordnung darstellt, in welcher geopolitische Risiken zunehmen und die Fiskalpolitik sich von Austerität hin zu deutlich höheren Staatsausgaben wandelt, wobei die Deglobalisierung deutlich an Fahrt gewinnt.

Ausblick

Aufgrund der hohen Staatsausgaben zur Wohlstandsförderung und zur Abwehr geopolitischer Bedrohungen, besteht das Risiko, dass die Inflation und damit die Zinsen strukturell auf höherem Niveau verharren. Die fiskalpolitischen Massnahmen, die von massiven Defiziten begleitet werden, sind im Kontext vielfältiger, globaler Herausforderungen zu verstehen. Die Liste an Schlagwärtern hierzu ist lang: Klimawandel, Sicherheit, Verteidigungsausgaben und Deglobalisierung. Diese Faktoren führen zu strukturell höheren Staatsausgaben, welche die Zentralbanken durch eine straffere Geldpolitik auszugleichen versuchen, was wiederum höhere Zinsen nach sich zieht. Dies könnte kurzfristig das Wirtschaftswachstum fördern. Für Aktieninvestments muss abgewogen werden, ob höhere Zinsen oder das Wachstumspotenzial den Ausschlag geben. Insgesamt könnte das Umfeld für Aktienanlagen durch höhere Defizitausgaben mittelfristig unterstützt werden und gleichzeitig wird durch den Inflationsausblick Unsicherheit gesät. Wir orten diesbezüglich Chancen in langfristigen Themen der Energietransition und Re-Industrialisierung aber auch im Technologiesektor, welcher die «künstliche Intelligenz» nährt. Anleihen dienen vor allem als Rezessionsschutz, aber wegen den staatlichen Ausgaben und der Inflation, ist dieser Schutz auch nur bei einer harten Rezession gegeben. Angesichts der beschriebenen Herausforderungen setzten wir denn auch weiterhin ein Untergewicht in Anleihen zu Gunsten einer breiten Aktiendiversifikation über verschiedene Länder- und Sektoren. Gold dient als Schutz vor ungenierter Fiskalausgaben und geopolitischer Verschiebungen.

 

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