In diesem Monat befasst sich unser Monatskommentar für einmal nicht schwerpunktmässig mit der US‑Zollpolitik, die in den vergangenen Monaten stets das zentrale Thema war. Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten beeinflussen die globale Wirtschaft in erheblichem Masse und haben bereits vielfältige direkte wie indirekte Auswirkungen. So berichtet die Financial Times, dass die stark gestiegenen Energiepreise eine zweite Inflationswelle auslösen könnten – just in dem Moment, in dem grosse Konsumgüterhersteller begonnen hatten, ihre zuvor stark erhöhten Preise wieder zu senken. Höhere Kosten für Öl, Transport, Dünger und Verpackungsmaterial setzen die Unternehmen zusätzlich unter Druck, während Konsumenten kaum bereit oder in der Lage sind, weitere Preisaufschläge zu akzeptieren. Viele Hersteller stehen damit vor der Wahl, entweder ihre Margen oder ihre Absatzvolumen zu schützen. Wenig überraschend warnte auch die US‑Notenbank vor höheren kurzfristigen Inflationsraten und hob ihre Prognose für 2026 an, während sie den Leitzins unverändert beliess. Die aktuelle Lage erschwert die Arbeit der Notenbanker erheblich: Sollten die Energiepreise über längere Zeit erhöht bleiben, würde dies zwar die Inflation deutlich ansteigen lassen, sie entstünde jedoch auf der Angebotsseite (sog. «Cost‑Push‑Inflation»). Ein solcher Angebotsschock wirkt konjunkturell dämpfend und kann damit in gewissem Umfang ähnliche Effekte haben wie Zinserhöhungen. In einem solchen Umfeld entfalten höhere Leitzinsen womöglich nur begrenzt Wirkung, da sie die zugrunde liegenden Kostenschocks nicht beseitigen und die wirtschaftliche Schwäche sogar verstärken könnten Die US‑Regierung hat indes wiederholt eine baldige Beilegung des Konflikts mit dem Iran in Aussicht gestellt, doch eine rasche Lösung erscheint aus unserer Sicht ungewiss. Als nahezu sicher erachten wir hingegen, dass der Iran durch die faktische Schliessung der Strasse von Hormus eine neue Form strategischer Hebelwirkung gegenüber dem Westen entdeckt hat. Er ist damit in der Lage ist, erheblichen wirtschaftlichen Schaden zu verursachen und dabei eine potenziell äusserst lukrative Einnahmequelle zu schaffen, indem er Schiffe für die sichere Passage zur Kasse bittet. Nebst einer militärisch erzwungenen Öffnung der Meerenge bleibt nur der Weg über Verhandlungen – mit dem Risiko, dass das iranische Regime gestärkt aus dem Konflikt hervorgeht.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten waren die globalen Aktienmärkte im März erwartungsgemäss von hohen Schwankungen geprägt. Damit stellt sich die Frage, welche Regionen, Sektoren und Unternehmen die derzeitigen Rahmenbedingungen am besten bewältigen können. Lässt man den Energiesektor aussen vor, der zumindest vorübergehend von der Situation profitiert, zeigt sich ein gemischtes Bild. Die hohen Investitionen in Rechenzentren für künstliche Intelligenz verdeutlichen für einige Unternehmen ein zunehmend anspruchsvolles Umfeld: Die Betriebskosten dieser energieintensiven Infrastruktur dürften mit den gestiegenen Energiepreisen weiter zulegen und – abhängig von der jeweiligen Finanzierung – die Rentabilität merklich beeinträchtigen. Sollte diese Entwicklung anhalten, wären bei entsprechend exponierten Unternehmen vermehrt Wertberichtigungen und Abschreibungen wahrscheinlich. Angesichts weiterhin anspruchsvoller Bewertungsniveaus ergibt sich daraus ein gewisses Risiko für Kursanpassungen im Technologiesektor wie auch bei Finanzinstituten mit entsprechender Exponierung. Um derartigen Szenarien sowie allgemeinen Marktrisiken zu begegnen, setzen wir gezielt Absicherungsinstrumente wie Put‑Optionen ein und würden diese bei geeigneter Marktlage realisieren. Unsere Aktienallokation bleibt klar auf die Faktorprämien Qualität und Momentum ausgerichtet, da sich über längere Zeiträume hinweg Investitionen in nachhaltig profitable Unternehmen mit stabilen Cashflows und intakten strukturellen Trends als besonders widerstandsfähig erwiesen haben.
Seit Beginn des Iran‑Kriegs sind die Bestände ausländischer Zentralbanken an US‑Treasuries bei der New Yorker Fed deutlich gesunken. Diese Rückführungen treffen auf einer ohnehin angespannten Treasury‑Markt, in dem anhaltende Inflationssorgen die Renditen weiter nach oben treiben und damit die Finanzierungskosten für Staat, Unternehmen und Haushalte spürbar erhöhen. Auch europäische Staatsanleihen verzeichneten im Zuge des Iran‑Schocks einen der schwächsten Monate des vergangenen Jahrzehnts: Die Renditen zehnjähriger Anleihen in Italien, Frankreich und Spanien erreichten Mehrjahreshöchststände – zusätzlich belastet durch steigende Haushaltsrisiken, da Regierungen mit kostspieligen Massnahmen auf die höheren Energiepreise reagieren. Unsere Zurückhaltung gegenüber nominalen Anlagen hat sich in diesem Umfeld bewährt. Angesichts der stark gestiegenen Ölpreise halten wir an dieser Ausrichtung fest und erachten Gold nach seinem kurzen, wenn auch ausgeprägten Rücksetzer wieder als deutlich attraktiver.
Der jüngste Energieschock wurde von den Märkten lange unterschätzt. Angebotsschocks dieser Art stellen Zentralbanken traditionell vor schwierige Abwägungen, da sie Inflation und wirtschaftliche Stagnation zugleich begünstigen können. Zwar sind Volkswirtschaften heute weniger energieintensiv und Arbeitsmärkte weniger durchsetzungsstark, doch jahrelange Stabilität, ein langes Niedrigzinsumfeld und die nach der Pandemie unterschätzte Inflationsdynamik haben eine neue Teuerungswelle begünstigt. Gleichzeitig befinden sich die öffentlichen Schulden in vielen Ländern auf Rekordniveaus, was das Risiko einer späteren Schuldenmonetisierung erhöht. Für Anleger entsteht damit ein anspruchsvolles Umfeld aus geopolitischer Unsicherheit, Stagflationsrisiken und hoher Verschuldung. Die jüngsten Entwicklungen könnten zudem das globale Machtgefüge verändern und wirtschaftlich weitreichende Folgen haben. In diesem Umfeld erweist sich eine breit diversifizierte Ausrichtung über Anlageklassen, Sektoren und Regionen – ergänzt durch gezielte Absicherungen – weiterhin als sinnvoll. Insgesamt bleiben wir daher verhalten optimistisch.