Obwohl das Jahr noch jung ist, hat sich bereits eine Reihe markanter Ereignisse abgespielt: die Festnahme des ehemaligen venezolanischen Machthabers, die US‑Drohungen einer möglichen Annexion Grönlands sowie – als politisches Druckmittel – erneute Zolldrohungen Washingtons gegenüber Europa, von denen die USA jedoch rasch wieder abrückten. Gleichzeitig öffnen die USA Venezuelas Ölsektor gezielt für neue Förderprojekte, wobei die entsprechenden Lizenzen nahezu ausschliesslich US‑Unternehmen begünstigen. Andere Akteure bleiben ausgeschlossen, und trotz politischen Drucks zögern grosse Ölfirmen wegen fehlender Garantien weiterhin. In der Eurozone fiel das Bild zuletzt freundlicher aus: Das Wachstum überraschte im vierten Quartal mit einem Plus von 0.3 % und lag damit über den Erwartungen. Deutschland verzeichnete erstmals seit 2022 wieder ein positives BIP‑Wachstum und gewinnt dank umfangreicher staatlicher Investitionen weiter an Dynamik. In Spanien sank die Arbeitslosenquote erstmals seit der Immobilienkrise 2008 unter die Marke von 10 %, was die bemerkenswerte Stärke einer der derzeit leistungsstärksten Volkswirtschaften Europas unterstreicht. 2025 war Spanien laut IWF erneut eine der am schnellsten wachsenden grossen Industrienationen – getragen von Dienstleistungen, Tourismus, günstiger Energie und EU‑Mitteln. Auch europäische Handelsperspektiven hellen sich auf: Das neue Abkommen der EU mit Indien baut Zölle auf bis zu EUR 4 Mia. an EU‑Exporten ab. 96.6 % der EU‑Waren erhalten künftig deutlich reduzierte oder gestrichene Zölle – im Gegenzug erhalten über 99 % der indischen Exporte bevorzugten Zugang zum EU‑Markt. Das Abkommen soll Handel und Investitionen stärken, Indiens Markt weiter öffnen und europäische Firmen entlasten, die unter US‑Zöllen leiden. In den USA wiederum wurde der frühere Fed‑Gouverneur Kevin Warsh als neuer Vorsitzender der Notenbank nominiert. Vorbehaltlich der Zustimmung des Senats soll er im Mai Jerome Powell ablösen. Warsh gilt trotz seiner Kritik an der aufgeblähten Fed‑Bilanz als seriöser Kandidat, auch wenn seine Positionen mit Trumps Wunsch nach tiefen Zinsen kollidieren könnten.
Trotz zahlreicher geopolitischer Spannungen haben die Aktienmärkte in den ersten Wochen des Jahres 2026 neue Rekordstände erreicht. Die jüngsten Bewegungen zeigen, dass Anleger auf kurzfristige Provokationen – etwa die US‑Drohungen gegenüber Grönland – kaum noch reagieren und Kursrückgänge rasch wieder aufgeholt werden. Die Märkte scheinen sich an Trumps wiederholte Rückzieher gewöhnt zu haben, doch die vermeintliche Gelassenheit täuscht: Unter der Oberfläche haben sich die geopolitischen Risiken spürbar erhöht. Besonders für Nicht‑US‑Investoren bleibt das Umfeld heikel – sei es aufgrund eines anhaltend schwachen Dollars oder zunehmend extremer politischer Szenarien, die inzwischen offen in Betracht gezogen werden. Vor diesem Hintergrund haben zahlreiche Schwellenländerbörsen zweistellige Kursgewinne verbucht, getragen von stärkeren Währungen, höheren Rohstoffpreisen und einer Verlagerung der AI‑Euphorie auf asiatische Chipwerte. Schwellenländer profitieren davon, dass ihre Zentralbanken in den vergangenen Jahren früh und glaubwürdig gegen Inflation vorgegangen sind und nun hohe Realzinsen bieten. Gleichzeitig fliessen vermehrt Mittel zurück in Schwellenländeraktien, während US‑Positionen reduziert werden. Auch in Europa zeigt sich ein starkes Marktumfeld: Die Region verzeichnet den stärksten IPO‑Jahresauftakt seit mindestens 1995. Bereits fünf Börsengänge im Januar entsprechen rund einem Viertel des gesamten Emissionsvolumens von 2025. Die Pipeline gilt als gut gefüllt, getragen von höheren Bewertungen und einer Reihe potenzieller Grosskandidaten aus den Bereichen Verteidigung, Technologie, Logistik und Private Equity. Parallel dazu arbeiten in den USA und Hongkong mehrere grosse AI‑Unternehmen an möglichen Mega‑Listings, was den globalen IPO‑Markt zusätzlich belebt.
Die Spreads US‑amerikanischer Blue‑Chip‑Unternehmen über US-Staatsanleihen sind auf den niedrigsten Stand seit 1998 gefallen, da Investoren trotz politischer Turbulenzen verstärkt Unternehmensanleihen kaufen: Der Aufschlag beträgt mittlerweile nur noch 0.73 Prozentpunkte – ein Zeichen enormer Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Corporate Bonds. Ob die ungewöhnlich niedrigen Spreads primär auf die hohe Nachfrage nach Unternehmensanleihen zurückgehen oder darauf, dass US‑Staatsanleihen zunehmend als risikoreicher eingeschätzt werden, lässt sich nicht eindeutig sagen. Eine Kombination beider Faktoren ist aus unserer Sicht jedoch plausibel. Japanische Staatsanleihen legten im Monatsverlauf zu, insbesondere längere Laufzeiten – so notierten die 40-jährigen Papiere zeitweise über 4.25%. JGBs erscheinen damit attraktiv, da die ungewöhnlich hohen Renditen und die stabile Nachfrage auf eine mögliche Übertreibung des vorangegangenen Sell‑offs und entsprechendes Erholungspotenzial hindeuten könnten. Die Rally im Edelmetallsektor erlebte am letzten Handelstag des Monats einen abrupten Bruch: Gold fiel um bis zu 8 % und auch andere Metalle gaben stark nach, nachdem die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Fed‑Chef den Dollar stärkte und Erwartungen einer strafferen Inflationsbekämpfung nährte. Trotz des Rückschlags war der Januar aussergewöhnlich: Gold verzeichnete den besten Monatsanstieg seit über 40 Jahren. Der Preisanstieg war getrieben von globalen Risiken und der Suche nach sicheren Häfen. Ein solcher stellte abermals auch der Schweizer Franken dar, der gegenüber den meisten Währungen aufwertete.
Die mögliche Nominierung von Kevin Warsh wird an den Märkten offenbar als Signal gewertet, dass sich der US-Präsident der Folgen einer zu starken Einflussnahme auf die Geldpolitik bewusst ist. Dies beurteilen wir grundsätzlich als sehr positiv. Gleichzeitig führt diese Entwicklung zu einer Neubewertung jener Anlageklassen, die zuvor von den Sorgen über die Unabhängigkeit der bedeutendsten Zentralbank profitiert hatten. Gerade in solchen Phasen zeigt sich erneut der Wert einer breit abgestützten und robusten Diversifikation, wie wir sie in unseren Portfolios konsequent umsetzen. Dank unserer Absicherungen blicken wir möglichen Marktvolatilitäten und allfälligen Kursrücksetzern gelassen entgegen und bleiben vorsichtig optimistisch.