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Allgemein

Im Gegensatz zur EU, entwickelt sich die US-Wirtschaft solide, könnte jedoch aufgrund eines sich abschwächenden Arbeitsmarktes und abnehmenden Konsums allmählich an Dynamik verlieren. Die Federal Reserve steht weiterhin vor der zentralen Aufgabe, die Inflation nachhaltig zu senken. Der Kern-Verbraucherpreisindex, der Nahrungsmittel- und Energiekosten ausklammert, stieg im April um 0,3 % im Vergleich zum Vormonat und markierte damit den langsamsten Anstieg seit drei Jahren. Der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator, der Kernverbraucherindex (PCE) kühlt sich im April weiter ab. Jüngst hat die US-Notenbank die Zinssenkungserwartungen wieder deutlicher gedämpft. In Grossbritannien haben höher als erwartete Inflationsdaten die Hoffnungen auf Zinssenkungen gedämpft und Premierminister Rishi Sunak politisch unter Druck gesetzt. Die Inflationsrate lag im letzten Quartal bei 5,2 %, dem niedrigsten Stand seit Beginn der Lebenshaltungskostenkrise vor fast drei Jahren, blieb aber am oberen Ende der Prognosen. Während die USA ein robustes Wachstum verzeichnen, kämpft Europa mit einer schwachen Expansion (siehe FOKUS). Die Inflationsraten in den G7-Staaten sinken zwar, jedoch ungleichmäßig. Diese Asymmetrie wird durch die alternde Bevölkerung verstärkt, die zunehmend konsumiert und weniger produziert, was die sehr langfristigen wirtschaftlichen Aussichten trübt. In China unternimmt die Regierung unter Präsident Xi Jinping entschlossene Schritte, um den angeschlagenen Immobilienmarkt zu stützen. Die Lockerung der Hypothekenvorschriften und die Aufforderung an lokale Regierungen, unverkaufte Wohnungen zu erwerben, sollen den Markt stabilisieren. Der Immobilienmarkt Chinas steht weiter vor enormen Herausforderungen, die durch umfassende staatliche Eingriffe nur teilweise gemildert werden. Das Vertrauen der Verbraucher und Investoren ist weiterhin tief, was zu einer anhaltend niedrigen Nachfrage nach neuen Wohnungen führt. Die demografische Entwicklung der chinesischen Bevölkerung nimmt derweil trotz staatlicher Gegenmassnahmen ähnliche Züge an wie in westlichen Ländern.

Aktienmärkte

Das Börsenumfeld ist weiterhin positiv und viele Aktienmärkte haben jüngst neue Höchststände erreicht. Die schwindenden Zinssenkungshoffnungen vermochten die Dynamik nicht zu bremsen. Die Quartalszahlen von NVIDIA und der Ausblick des Unternehmens bestätigten die anhaltende Goldgräberstimmung rund um AI. Der Umsatz des bislang unangefochtenen Führers von hochleistungsstarken GPUs, wuchs im Jahresvergleich um über 260%. Unlängst hat der AI-Hype auch andere Sektoren erfasst. Auffallend ist die Kursstärke der Energieversorger, welche stabile und saubere Energie anbieten. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet bis 2026 eine Verdoppelung des Energiebedarfes auf über 1000 TWh allein im Bereich von Datenzentren – dies entspricht dem jährlichen Stromverbrauch Japans. Bis ins Jahr 2030 dürften rund drei bis vier Prozent des weltweiten Stromverbrauchs auf AI-Anwendungen entfallen.

Zinsen / Währungen / Rohstoffe

Die anhaltende Inflation und das „higher for longer“ Mantra der FED übte tendenziell zum Monatsschluss nochmal Druck auf den Obligationenpreisen aus. Der breite Schweizer Obligationenindex SBI AAA-BBB verlor 1%. Der Silberpreis war weiter auf dem Vormarsch und verbuchte ein Plus von 19% gegenüber dem USD. Schwächer waren die Preise für Energie (Öl & Gas). Die Frankenschwäche dürfte nur temporär sein, weil der im internationalen Vergleich äusserst solide Fiskalhaushalt der Schweiz den CHF mittel- und langfristig weiter begünstigen wird.

Positionierung

Wir haben in unseren Marktkommentaren hin und wieder Faktoren erwähnt, welche das Preisniveau strukturell erhöhen könnten. Insbesondere die steigenden Staatsausgaben welche zu steigender Verschuldung führt, sei es aufgrund von Netonullbestrebungen, demografischer Entwicklung, geopolitischen Spannungen oder Subventionen für die gezielte Förderung der eigenen Wirtschaft. Im aktuellen Umfeld halten wir unverändert an einer breiten Diversifikation der Vermögenswerte fest. Langfristig bevorzugen wir Realwerte wie Aktien gegenüber nominellen Anlagen. Die Diversifikation über verschiedene Anlageklassen sowie dekorrelierender Strategien, soll die Vermögenswerte in volatilen Zeiten bestmöglich schützen. In Phasen der wirtschaftlichen Erholung oder gar einem Boom sind hingegen Aktien unverzichtbar, um das Kapital langfristig zu vermehren. Gerade aus der Optik eines Schweizer Anlegers bietet der Schweizer Aktienmarkt eine Vielzahl an interessanten Unternehmen, welche jüngst vom breiten Markt etwas ignoriert worden sind, jedoch stabile Cash-Flows generieren, attraktive Dividendenrenditen, stabiles Wachstum und gesunde Bilanzen aufweisen. Sollte in absehbarer Zeit eine wirtschaftliche Flaute die Aktienkurse unter Druck bringen, so würden wir aus unseren Obligationen zu Gunsten Aktien weitere Positionen aufstocken.

 

Fokus Marktdaten