Marktkommentar Juli 2018

Allgemein

Zwischen den USA und Europa hat sich der Handelsstreit seit dem Treffen zwischen Donald Trump und Jean-Claude Juncker etwas entschärft. Die zuvor abgestraften europäischen Märkte konnten davon deutlich profitieren. Die Haltung gegenüber China bleibt aber unverändert und es wird erwartet, dass bis im September weitere Zölle auf $200 Milliarden von chinesischen Importen Realität werden könnten. Die Chinesen würden wie angedroht entsprechende Vergeltungszölle im selben Umfang verhängen. Die US Unternehmungen dürften wenig erfreut sein, da deren Wertschöpfungskette spätestens bei der nächsten Zollrunde betroffen sein dürfte (siehe im FOKUS). Die Berichtssaison für das zweite Quartal konnte die Erwartungen in den USA stark übertreffen. Der Umsatz stieg bisher um 9.3% und die Gewinne um satte 21.3%. Die US Steuerreform und das solide Wirtschaftsumfeld hat den entsprechenden Rückenwind für die Gewinne geliefert. Die US Makrodaten reflektieren weiterhin ein starkes Wachstumsfundament mit tiefer Arbeitslosigkeit und Zuversicht im Gewerbe. Die US Notenbank wird die Zinsen daher wohl ein weiteres Mal im September anheben. Nur globale Verwerfungen, z.B. in den Emerging Markets, welche durch den starken USD zusehends unter Druck geraten, dürften die FED von dem geplanten Kurs abbringen. Die Erholung in Europa schreitet auch voran, auch wenn in einem wesentlich langsameren Tempo. Den jüngsten Konsensabweichungen der europäischen Wachstumszahlen folgten seit Mitte Juni wieder positive Überraschungen.

 

 

Aktienmärkte

Die guten Unternehmensberichte sowie die verbale Entspannung im Handelsstreit hat den Aktien im Juli deutlich Aufwind gegeben. Der SMI erzielte dank den Schwergewichten Nestlé, Novartis und Roche den besten Monat seit drei Jahren. Hohe Erwartungen und vorsichtige Ausblicke haben den Technologiewerten ab Monatsmitte zugesetzt. Facebook verlor nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen rund 20% und schrieb damit Geschichte. Der Verlust ist der grösste je erzielte Marktverlust einer kotierten Firma an einem Handelstag. Insgesamt radierte Facebook USD 120 Mia. aus. Dies entspricht der gesamten Marktkapitalisierung des Industriegiganten Siemens. Die US Technologiebörse legte so im Juli nur unterdurchschnittlich zu (+2.7%). Die sehr guten Zahlen von Apple sorgten zum Monatsende für eine kleine Aufholjagt. Netflix enttäuschte mit dem Kundenwachstum. Der „FAANG“ Index verlor rund -4.4%. Viele Firmen klagen bereits über den unsicheren Ausblick wegen dem Tarifstreit. Der Gewinn von Alcoa könnte nach Aussagen des CEOs wegen den Tarifen für das gesamte Jahr um rund 100 Mio. USD geschmälert werden. Dies entspricht rund 12% des Halbjahresgewinns von Alcoa. Auch Caterpillar schätzt die Kosten der Tarife für das Jahr 2018 auf $200 Mio., welche es an die Käufer weiter geben will. Inwiefern die bereits in Kraft gesetzten und zukünftigen Tarife die Gewinne beeinflussen werden, dürften die nächsten Quartale zeigen. Sicher ist, dass es enorme Unterschiede innerhalb der Industriezweige gibt (siehe im FOKUS).

 

 

Zinsen

Die 10-jährigen US Treasury büssten wieder ein und die Renditen stiegen zum Monatsende nahe an die psychologische 3%-Marke. Der unbeirrte Straffungskurs der US Notenbank, gute Wirtschaftsdaten und das Einlenken im Handelsstreit lastete auf den Anleihen. Die Zinskurve verflachte sich zu Mitte des Monates auf neue Rekordniveaus im aktuellen Zyklus. Die Differenz zwischen 2-Jahren und 10-Jahren betrug im Tief rund 23 Basispunkte bevor wieder eine leichte Versteilung einsetzte. Ein strafferer Arbeitsmarkt und zunehmende Inflation befeuert derzeit vor allem das kurze Ende der Zinskurve in den USA.

 

 

Währungen

Zum Schweizer Franken tendierten die meisten Währungspaare seitwärts. Der USD schloss gar leicht tiefer. Das Britische Pfund konnte trotz anstehender Zinserhöhung der Bank of England keine Stärke aufbauen. Der EUR notiert nun schon den zweiten Monat in der engen Handelsspanne zwischen 1.16 und 1.18. Die Türkische Lira fand des Weiteren keinen Halt vom jüngsten Ausverkauf und verlor weitere 7% zum USD nachdem die Türkische Zentralbank eine vom Markt als nötig erachtete Zinserhöhung ausgelassen hat. Damit scheint die Zentralbank Wachstum der Inflation vorzuziehen. Die Sanktionierung von zweier türkischer Beamter sorgte zusätzlich für Verkaufsdruck.

 

 

Ausblick

Mit dem nahenden Ende der Gewinnsaison werden wieder Makrodaten und politische Ereignisse in den Vordergrund rücken. Eine gewisse Unberechenbarkeit geht derzeit konstant vom amtierenden US Präsidenten aus. Dies obwohl sich im Handelsstreit, zumindest mit Europa, eine konstruktive Debatte abzeichnet. Die tendenziell schwachen Sommermonate könnten daher mit höherer Volatilität geprägt sein. Eine vorsichtig konstruktive Positionierung ist ratsam.