Marktkommentar Januar 2017

Allgemein

Seit seiner Amtseinführung hat Donald Trump punkto seiner Wahlagenda klar gezeigt wo die Prioritäten liegen: „America first"- protektionistische Massnahmen haben bisher klar Vorrang genossen und die vom Markt bereits positiv antizipierten wachstumsfördernden Versprechen wurden bisweilen aussen vor gelassen. Zahlreiche Anordnungen (11) und Drohungen wurden vom neuen Präsidenten bereits ausgelöst. Es ist jedoch sehr wichtig dabei zu unterscheiden, welche Massnahmen tatsächlich eine bleibende Wirkung entfalten werden und wieviel vom Gesagten nur leere Worte sein mögen. Rechtlich bindend ist der Mauerbau, die Gesundheitsreform oder die Deportation illegaler Migranten. Trumps Drohungen mexikanische Waren mit Einfuhrzöllen zu besteuern sind momentan noch nicht umgesetzt. Solange die eigene Partei nicht auf Konfrontation mit ihrem Präsidenten geht, können wohl weitere provokante und verunsichernde Erlasse befürchtet werden. Massnahmen wie die Mauer, „Obamacare" rückgängig zu machen, oder massive Steuererleichterungen für die Bürger dürften im Kongress wohl abgesegnet werden. Das britische Parlament hat bereits zwei Tage nach dem Entscheid des obersten Gerichtshofs ein erstes Mal über einen Gesetzesentwurf zum BREXIT beraten und will die Beratung bis zum 8. Februar abgeschlossen haben. Angesichts dieser Vielzahl von politischen Nachrichten, gerieten die realwirtschaftlichen Daten fast etwas in Vergessenheit. Das Wachstum der US-Wirtschaft blieb im Schlussquartal des letzten Jahres mit +1.9% hinter den Erwartungen von +2.2%. Sowohl am Arbeits- wie auch der Immobilienmarkt sind aber noch keine nachhaltigen Bremsspuren wahrnehmbar und wichtige Konjunkturindikatoren deuten auf eine weitere Expansion der Wirtschaft hin. Mit einem BIP-Wachstum von 6.8% im letzten Quartal vermochte China positiv zu überraschen, das Wachstum hat aber einen hohen Preis: Die Verschuldung steigt weiter ins unermessliche und die Kapitalabflüsse halten weiter an.

Aktienmärkte

 

Das Ausbleiben der erhofften wachstumsfreundlichen Wirtschaftspolitik hat die Märkte temporär in eine Konsolidierungsrunde auf hohem Niveau gesendet. Die Verunsicherung war bisher aber zu klein, um eine grössere Korrektur zu provozieren. Die Wirtschaftsdaten und auch die überzeugenden Gewinnausweise scheinen die wahren Treiber der Aktien zu sein und politische Risiken werden wie schon im ganzen letzten Jahr ausgeblendet. Da die US Aktienmärkte jedoch viel von Trump’s Wahlagenda bereits eskomptiert haben, scheint die Gefahr für einen noch grösseren Rücksetzer, solange keine wirtschaftspolitischen Taten folgen, als intakt. Die meisten Aktienmärkte notierten in Lokalwährung leicht höher. Aus der Perspektive des Schweizer Anlegers notierten viele Märkte im Januar jedoch tiefer.

Zinsen

 

Kapitalmarktrenditen sind seit dem Jahreswechsel nur in Europa deutlich angestiegen. Die Marktteilnehmer positionieren sich damit auf ein näher rückendes Ende der expansiven Geldpolitik der EZB. Interessant wird sein, ob und wie sich das FED an ihrer Sitzung von heute Abend zu zunehmenden Unsicherheiten äussern wird. Der Markt erwartet noch immer mindestens zwei Zinsschritte im laufenden Jahr. Da keine weitere Medienkonferenz der FED ansteht, werden auch kaum Details  zu einer möglichen Bilanzschrumpfung der FED veröffentlicht werden. Ein Thema welches den Anlegern erst noch behutsam mitgeteilt werden sollte, denn bisher reinvestiert die FED Ihre fälligen US Treasury bestände laufend. Sollte die Zinsnormalisierung gut verlaufen, dürfte die FED auch beginnen, die Bilanz zu reduzieren – was aber nicht heisst, dass Bestände aktiv verkauft werden sollen, sondern fällige Bonds nicht mehr, wie oben beschrieben, reinvestiert werden.

Währungen

 

Der USD leidet bisher etwas stärker unter den von Trump ausgehenden Unsicherheiten. Trumps Drohung China, Deutschland und unter anderem auch die Schweiz offiziell als Währungsmanipulatoren zu klassifizieren, schwächten den USD weiter. Diese Drohungen sind jedoch mit aller Wahrscheinlichkeit nach als heisse Luft zu werten. USD hat sich zum EUR und zum JPY seit Jahresstart bereits um knapp 4% und zum CHF immerhin noch um 2% abgewertet und erreicht damit ungefähr wieder das Vorwahlniveau vom Jahr 2016.

Ausblick

Die politischen Unsicherheiten und zwar nicht nur in den USA dürften in den nächsten Wochen tendenziell weiter zunehmen. Bisher darf man die angelaufene Konsolidierung als gesund einstufen. Für weitere Kursfantasie dürfte es aber nötig sein, dass die wachstumspolitische Agenda in den USA Form annimmt und in Europa der Wahlausgang in Frankreich oder den Niederlanden als positiv aufgenommen wird. Die fundamentalen positiven Treiber der Hausse (Reflationierung) sind nach wie vor intakt. Die tiefen Absicherungsprämien lassen uns aber eine Strategie zur Absicherung eines Extremereignisses prüfen.