Marktkommentar April 2017

Allgemein

 

Die Finanzmärkte waren sehr erleichtert über den Ausgang der ersten Wahlrunde in Frankreich. Im zweiten Wahlgang kann Macron sehr wahrscheinlich zusätzlich auf die Anhänger von Hamon und Fillon zählen und so das Rennen vermutlich für sich entscheiden. In England setzte Theresa May vorgezogene Neuwahlen für den Juni an. May will mit diesen Neuwahlen eine eigene Mehrheit im Unterhaus erzielen um so die Austrittsverhandlungen mit der EU zu erleichtern. Die Umfragen deuten derzeit auf einen klaren Sieg der Tories hin. Die Neuwahlen dürften die BREXIT Verhandlungen mit der EU eher verzögern, da nun bis im Juni vermutlich ein Stillstand herrschen dürfte. Donald Trump hat erste Importzölle gegen Kanada verhängt. Auch rückwirkend sollen Strafzölle von bis zu 24% auf kanadisches Weichholz verhängt werden. Der Schritt wird damit begründet, dass Kanada Preisdumping durch Subventionen für Holz betreibe. Weitere Zölle in der Stahlindustrie sind scheinbar in Planung und richten sich gegen China. An den versprochenen Steuerreformplänen hält Trump weitgehend unverändert fest: Die Unternehmenssteuern sollen von 35% auf 15% sinken und auch Entlastungen für die Bürger sind geplant. Das Steuersystem soll vereinfacht werden. Das ganze Paket soll sich mit höherem Wirtschaftswachstum quasi von alleine finanzieren. Viele Details zum Programm fehlen noch und für die ambitionierten Pläne muss eine Mehrheit im Kongress gefunden werden. Die Bilanz der ersten hundert Tagen von Donald Trump wird nun einem harten Realitätstest unterzogen – bisher hat der US Präsident seine hochgesteckten Ziele nicht ansatzweise erreicht. Die EZB hat die Zinsen wie erwartet unverändert belassen und hält am Anleihenkaufprogramm fest. EZB Präsident Mario Draghi hat die starken Wirtschaftsdaten und abnehmenden Abwärtsrisiken gewürdigt. Die Inflation sei nach wie vor zu tief um eine gelpolitische Straffung vorzunehmen.

Aktienmärkte

 

Im April durften sich die Investoren nebst der Teilentspannung in der Politik auch an den bisher starken Quartalszahlen erfreuen. Der Markt erwartet für das 1. Quartal ein Gewinnwachstum im S&P500 von 11.4%, welches bisher im Schnitt übertroffen worden ist. Bisher hat nicht mal die Hälfte der Unternehmen ihre Gewinne publiziert und wir erwarten, dass die Gewinnsaison den Markt weiterhin antreiben dürfte. Einige Indices wie der Nasdaq, der DAX, oder der breite Russel2000 vermochten neue Allzeithöchststände zu erreichen. Auch die Emerging Markets konnten rund 2% zulegen. Es kann somit von einem breiten Markt gesprochen werden, was aus der technischen Perspektive positiv ist und in der Regel eher für weitere mittelfristige Gewinne spricht.

Zinsen

 

Die Kapitalmarktrenditen sind im Monatsverlauf erst deutlich gefallen und nach dem französischen Wahlergebnis wieder gestiegen. 10-jährige Schweizer Staatsanleihen werfen als einziges Land unter den Hauptmärkten weiterhin negative Renditen ab. Die Deutschen Bunds rentieren wieder fast 0.4% p.a. nachdem diese noch vor zwei Wochen tiefe 0.15% p.a. abwarfen. Die Renditedifferenz zwischen Deutschland und Frankreich verengte sich wieder deutlich von über 0.75% auf noch 0.53%.

Währungen

 

Der glimpfliche Wahlausgang befeuerte den EUR auf breiter Basis. Zum CHF stieg dieser auf über 1.08 und zum USD gar über 1.09. Wir sind weiterhin eher neutral zum USD eingestellt und lassen die Währungsrisiken lieber im EUR offen, da bei diesem erstens das Abwärtspotential unter der Prämisse der nach wie vor stark intervenierenden SNB begrenzt scheint (siehe im FOKUS) und zweitens die EZB in den kommenden Monaten eine Aufkündigung der ultra-expansiven Geldpolitik bekannt geben könnte. Der USD war wegen glanzlosen Wirtschaftsdaten schwächer, das Britische Pfund profitierte von den angesetzten Neuwahlen und konnte auch deutlich zulegen. Die Türkische Lira erholte sich nach dem „Ja" zum Referendum in der Türkei. Der kanadische Dollar war wegen den verhängten Strafzöllen sehr schwach.

Ausblick

 

Die fundamentalen Treiber der Erholung sind nach wie vor intakt und die behutsame Vorgehensweise der Zentralbanken dürfte die Volatilität an den Aktienmärkten weiterhin sehr tief halten. Schwindende politische Risiken in Europa erhellen das Bild zusätzlich und trotz des noch unsicheren Wahlausgangs in Frankreich erscheint ein freiwilliger Ausstieg aus dem Euro einerseits wegen gravierenden finanziellen und wirtschaftlichen Folgen, andererseits wegen einer fehlender Parlamentsmehrheit für Marine Le Pen im Fall von Frankreich als unwahrscheinlich. Mit Rücksetzern bei der Implementierung von wachstumsfördernden staatlichen Impulsen in den USA musste von Anfang an gerechnet werden weswegen der bisherige nur milde Rücksetzer an den US Aktienmärkten gerechtfertigt erscheint. Wir erhöhten Ende März unsere Positionierung in den von überdurchschnittlichem Wachstum geprägten, relativ attraktiv bewerteten Emerging Markets und in den USA durch die Auflösung einer PUT Option. Wir sind somit bei den Aktien wieder deutlicher übergewichtet.