Marktkommentar September 2015

Allgemein

Griechenland hielt Parlamentswahlen ab und Ministerpräsident Alexis Tsipras wurde erneut das Vertrauen ausgesprochen. Dieser wird das Thema Schuldenerleichterung schon bald wieder auf die Agenda setzen. Aus der Regionalwahl in Katalonien gingen die Separatisten gestärkt hervor. Die EU konnte sich nicht auf einen Verteilschlüssel für die Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten einigen, schuf mit einem Mehrheitsentscheid aber Tatsachen. In Russland liess sich Präsident Putin vom Parlament derweilen eine Ermächtigung für militärische Interventionen in Syrien geben, was die westlichen Militärmächte weiter unter Druck setzt.

Der chinesische Staatschef Xi Jinping schloss seinen ersten USA-Besuch ab und stellte dabei wirtschaftliche vor politische Interessen. Der Flugzeugbauer Boeing erhielt von einem chinesischen Firmenkonsortium einen der grössten Aufträge der Firmengeschichte. Das FED beliess die Leitzinsen wie erwartet weiter bei 0% - 0.25%. Janet Yellen verstärkte mit ihrem Kommentar die ohnehin schon bestehenden Wachstumssorgen. Die US-Wirtschaft konnte gemäss letzter Schätzung im 2. Quartal um 3.9% und damit nochmals etwas stärker zulegen als zuvor prognostiziert. Trotzdem haben sich die Aussichten für das 3. Quartal eher etwas eingetrübt. Teilweise enttäuschten wichtige regionale Konjunkturindikatoren und auch Arbeitsmarkt- und Häuserdaten stimmen eher etwas vorsichtiger. Die Datenlage in Europa blieb von grösseren negativen Überraschungen verschont und Frankreich vermochte mit dem BIP für das Q2 sowie wichtigen Konjunktur- und Stimmungs-indikatoren für einmal positiv zu überraschen.

 

Aktien

Wachstumssorgen und eine darin gründende hohe Nervosität hatten die Aktienmärkte auch im September wieder im Griff. Die Aktienmärkte haben seit Mitte Juli nun zwischen 10 und 20% korrigiert. Viele Indizes verzeichneten damit die grösste Kurskorrektur seit Sommer 2011. In Europa sorgte der VW-Skandal zudem zusätzlich für negatives Sentiment, der Stoxx Auto-Index verlor 12%. In den USA büssten vor allem Pharmatitel an Wert ein, nachdem Hillary Clinton verlauten liess, sie wolle den steigenden Medikamentenpreise Einhalt gebieten. In China stabilisierten sich die Börsen etwas, der Shanghai-Shenzen 300 Index verlor nur noch 4.8%. Seit Beginn der grossen Korrektur am chinesischen Aktienmarkt vom Juni haben die Investoren insgesamt weit über USD 200 Mia. an Leverage zurückgefahren. Damit könnte sich die Situation der lokalen Börsen nun allmählich stabilisieren. Die Stimmung war gedrückt und die Investoren konzentrierten sich eher auf negative Neuigkeiten. Die nächsten grossen Treiber für die Aktienmärkte könnten die bevorstehenden Publikationen der Quartals-zahlen werden.

 

Obligationen

Nach dem etwas ambivalenten FED-Meeting vom 17. September meldeten sich diverse Mitglieder des Offenmarktausschusses zu Wort, mit der Botschaft, dass man weiterhin auf Kurs sei, die erste Zinserhöhung noch in diesem Jahr umzusetzen. Die Fed-Futures Kurve impliziert jedoch mit über 50% Wahrscheinlichkeit einen Beginn der Straffung erst Anfang 2016 (siehe IM FOKUS). Die Renditen 10-jähriger US Treasuries sanken um rund 0.2%. Ähnlich war die Reaktion auch bei anderen Ländern. Der Risikoappetit für Schwellenländer liess weiterhin spürbar nach. Die Verfallsrenditen brasilianischer Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit erreichte phasenweise fast 17%. Auch High-Yield Anleihen wurden vom Markt deutlich abgestraft, die Durchschnittsrenditen von US-High Yield Anlagen erreichte wieder 7.5% und damit den höchsten Wert seit Juni 2012.

 

Währungen

Die Schwächephase des USD nach dem FED-Entscheid war nur von kurzer Dauer. Grössere Schwankungen waren vor allem wieder bei den Währungen von Rohstoffländern wie Brasilien, Südafrika oder auch Kasachstan wahrzunehmen. Zum Dollar verlor der brasilianische Real weitere 8%. Auf Monatsbasis faktisch unverändert notiert der CHF zum EUR, USD und auch GBP. JPY notiert gegen die meisten grossen Währungen um 1-2 % stärker und bestätigt damit den Eindruck, dass die Abwertungsphase zumindest vorerst beendet ist.

 

Ausblick

Die tiefen Rohstoffpreise sind des einen Fluch und des anderen Segen. Für einzelne Schwellenländer stelle der Preiszerfall eine sehr grosse Herausforderung dar. Saudi-Arabien zum Beispiel ist gezwungen, Löcher im Staatshaushalt über den Verkauf von Devisenreserven zu decken und Brasilien hat massive Sparprogramme verabschiedet und plant neue Steuern auf Finanzmarkttransaktionen zu erheben. In Kombination mit den tiefen Energiepreisen wird sich der Rückgang bei den Rohstoffpreisen mittelfristig als globaler Wachstumstreiber erweisen können. Aufgrund  der neuesten Wortmeldungen aus FED-Kreisen ist die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes im Dezember weiterhin gross. Nach den beträchtlichen Korrekturen rechnen wir nun eher mit einer Beruhigung und einer spürbaren Gegenbewegung (wir stehen vor technisch bedeutenden Widerständen). Sollten wir aber unsere verhalten optimistische makroökonomische Einschätzung nach unten korrigieren müssen, würden wir auch unsere kurzfristige Einschätzung zu den Aktienmärkten revidieren. Eine globale Wachstumsverlangsamung würde den Druck auf die Zentralbanken weiter erhöhen und damit die Alternativlosigkeit der Investoren wieder verstärken. Dies würde zumindest mittelfristig zu einer liquiditätsgetriebenen deutlich stärken Nachfrage am Aktienmarkt führen.