Marktkommentar Juni 2015

Allgemein

Obwohl die Eurogruppe offenbar weitgehende Zugeständnisse offerierte, kam bisher keine Einigung zwischen Griechenland und der Troika zu Stande. Damit steuert die Linkspartei Syriza Griechenland immer weiter auf den Abgrund zu. Ein unmittelbarer Staatsbankrott Griechenlands scheint nun nicht mehr ausgeschlossen und auch zum Verbleib im Euroraum oder gar der EU bleiben viele Fragezeichen. Das für den 5. Juli geplante Referendum kann, wenn es denn abgehalten wird, einiges zur Klärung beitragen. Ein klares Votum zu Gunsten eines konstruktiven Dialoges mit den Gläubigern würde das Ende der aktuellen Linksregierung bedeuten und damit den Weg zurück an den Verhandlungstisch öffnen. In Brüssel würde dies als sehr willkommenes und unmissverständliches Signal an die aufstrebenden Linksparteien in anderen EU-Ländern (siehe auch im FOKUS Mai 2015) aufgenommen werden.

Die makroökonomische Lage ist nur wenig verändert. In Europa zeigten vereinzelte Stimmungsindikatoren einen leicht negativen Einfluss der Griechenlandkrise, tendenziell verbesserte sich das Umfeld jedoch weiter.

In den USA zeigten Makrodaten einen klaren Aufwärtstrend an und bestätigten somit die These, dass die Wachstumsschwäche im Q1 durch temporäre Faktoren verursacht wurde. Aufgrund von stark steigenden Unternehmensinvestitionen konnte Japans Wirtschaft im ersten Quartal mit +3.9% deutlich stärker wachsen als bisher angenommen (+2.4%).

Trotzdem lastet die MwSt.-Erhöhung vor einem Jahr immer noch auf den Privatausgaben, welche nur bescheiden zulegten. Die chinesische Zentralbank reduzierte die Wachstumsprognose für das laufende Jahr leicht von 7.1% auf 7%. Die Preisentwicklung (die Inflation liegt aktuell nur bei 1.2%) erlaubt weitere wachstumsfördernde geld- und fiskalpolitische Massnahmen.

 

Aktien

Der Verlauf an den Aktienmärkten richtete sich fast ausschliesslich nach dem Verlauf der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern. Hoffnungen auf eine mögliche Einigung führten zwar temporär zu steigenden Aktienpreisen, auf Monatsbasis büssten die europäischen Aktienmärkte aber deutlich an Wert ein. So verlor der DAX -4.1%, der SPI gab sogar -4.9% nach.

Obwohl die Aktienmärkte empfindlich auf die Ankündigung des griechischen Referendums reagierten, blieb der befürchtete Zusammenbruch an den Finanzmärkten aus. Der Markt vertraut offenbar darauf, dass die Ansteckungsgefahr für andere periphere Euroländer klein ist und mögliche Zweitrundeneffekte somit überschaubar bleiben. Dies ist von grosser Bedeutung, da die geld- und fiskalpolitischen Möglichkeiten einer Rezession zu begegnen deutlich geringer sind, als vor der Finanzkrise (siehe im FOKUS Juni 2015). Etwas weniger stark korrigierte die japanische Börse, der Nikkei verlor -1.6%. China andererseits war mit einer deutlichen Korrektur der überteuerten Märkte konfrontiert, der MSCI China verlor mehr als -7%.

 

Obligationen

Die Verunsicherung im Zusammenhang mit einem möglichen griechischen Staatsbankrott liessen die Renditen für 10-jährige griechische Anleihen im Juni um fast 4% auf 14.8% und damit den höchsten Stand seit 2012 ansteigen. Die Tatsache, dass die Renditen in den meisten Industrieländern zwischen 0.3% und 0.5% anstiegen, bestätigt, dass der Kapitalmarkt bislang nicht in den Panikmodus geschaltet hat.

In den USA rückt die erste Zinserhöhung aufgrund der robusten Wirtschaftsdaten immer näher, der Markt scheint darauf aber sehr gut vorbereitet zu sein. Die verbale Begleitung und das damit zusammenhängende Erwartungsmanagement scheinen so oder so wichtiger zu sein, als der erste Zinsschritt an sich.

 

Währungen

Wenig überraschend schwächte sich der EUR zum USD zwischenzeitlich mit einem Verlust von über 4% deutlich ab, erholte sich dann aber relativ schnell wieder, womit per Saldo im Monatsverlauf ein 1.6% stärkerer Euro resultierte.

Der Franken blieb zum Euro relativ stabil. Thomas Jordan gab offen zu, dass die SNB am Markt intervenierte um den Franken zu schwächen, liess aber offen, inwiefern in Zukunft mit weiteren Interventionen gerechnet werden kann.

Gesucht war das britische Pfund, welches zu den meisten anderen Währungen um rund 2% zulegen konnte.

Die Volatilität wird wohl auch in den nächsten Tagen hoch bleiben und da wir uns in einem ausgeprägt politischen Marktumfeld befinden, sind grössere Ausschläge jederzeit möglich.

 

Ausblick

Solange keine Klarheit über den Ausgang im Schuldenstreit herrscht und ein definitiver Zahlungsausfall Griechenlands nicht ausgeschlossen werden kann, befinden sich die Finanzmärkte fest im Griff der politischen Machthaber.

Die Tatsache, dass die Reaktion der Finanzmärkte auf die gescheiterten Verhandlungen vom letzten Wochenende aber eher verhalten ausfiel, lässt auf eine eher gute Verfassung der Märkte schliessen.

In diesem sehr politischen Anlageumfeld ist es umso wichtiger, dass nicht ernüchternde Makrodaten oder enttäuschende Unternehmensnachrichten zu weiteren Belastungsfaktoren werden.

Aufgrund der besonnenen Reaktion der Marktteilnehmer und einer weiterhin positiven mittelfristigen Einschätzung für die Aktienmärkte, haben wir bisher auf eine Reduktion unseres Aktienengagements verzichtet.