Marktkommentar Juli 2015

Allgemein

Griechenland einigte sich in letzter Sekunde mit seinen Geldgebern auf die Eckdaten für ein neues Hilfsprogramm, was von den Märkten mit Erleichterung zur Kenntnis genommen wurde. Der Patient Griechenland erhält aber nur dann eine Chance auf nachhaltige Gesundung, wenn die Reformen auch umgesetzt und von wachstumsfördernden Massnahmen begleitet werden. Zudem lässt sich ein weitgehender Schuldenschnitt im besten Fall noch etwas aufschieben. Zum neuen Sorgenkind der Finanzmärkte avancierte inzwischen China. Gerade der Umstand, dass die Wachstumsziele in den letzten Quartalen trotz schlechter Indikatoren knapp erreicht wurden, erhöht die ohnehin schon sehr verbreiteten Zweifel an der Richtigkeit der offiziellen Daten zur Wirtschaftsleistung. Der Absturz der chinesischen Aktienmärkte und die staatlichen Massnahmen zur Stützung erschütterten das Investorenvertrauen zusätzlich. Die Regierung muss wohl einsehen, dass sich die Marktkräfte auch in China nicht durch staatliche Interventionen bändigen lassen. Die Rohstoffpreise litten weiterhin stark unter den chinesischen Wachstumssorgen und die Erdölpreise notieren, bedingt durch ein anhaltendes Überangebot aus den OPEC-Förderländern, auf den tiefsten Werten seit fast sechs Monaten.

Die europäischen Wirtschaftsindikatoren scheinen nur marginal unter den langwierigen Schuldenverhandlungen zu leiden. Die letzten Daten zur Industrieproduktion enttäuschten in Deutschland zwar leicht, übertrafen aber in Frankreich, Italien und Spanien die Erwartungen teils deutlich. Die publizierten Daten zur US-Volkswirtschaft enthielten hingegen keine grösseren Überraschungen und weisen damit weiterhin auf einen stabilen Wachstumstrend hin.

 

 

Aktien

Der Verlauf an den Aktienmärkten war wie schon im gesamten Jahresverlauf volatil und regional auch sehr unterschiedlich (siehe auch IM FOKUS). Die westlichen Aktienmärkte verzeichneten Kursfortschritte zwischen 1 und 3%, während einige Emerging Markets deutliche Verluste von teils über 5% einstecken mussten. Die Quartalsergebnisse der Unternehmen standen im Zentrum des Interesses. Sowohl in den USA als auch in Europa liegen inzwischen über die Hälfte aller Unternehmensergebnisse vor.

Die Gewinne lagen hüben wie drüben auf breiter Front über den Erwartungen. Insbesondere die Resultate der europäischen Firmen lagen nach zwei schwachen Quartalen nun wieder deutlich über den Analystenschätzungen. Als einziger Sektor konnten europäische Konsumwerte nicht ganz mit den Erwartungen mithalten.

 

 

Obligationen

Die Marktteilnehmer wurden auch am letzten FOMC-Meeting gezielt auf eine erste Leitzinserhöhung noch im laufenden Jahr vorbereitet. Vom ersten Zinsschritt sollten also keine bösen Überraschungen ausgehen. Wichtiger scheint diesbezüglich die kluge Steuerung der mittelfristigen Erwartungshaltung. Nebst der US-Notenbank ist wohl einzig die Bank of England noch ein Kandidat für eine mögliche Zinserhöhung in den nächsten Monaten.

Im Euroraum gibt es keine wirtschaftliche Notwendigkeit und in der Schweiz trübt sich das konjunkturelle Bild wegen des anhaltend starken CHF zunehmend ein. In den peripheren EUR-Ländern waren etwas höhere Schwankungen der Kapitalmarkrenditen zu verzeichnen. 10-jährige Eidgenossen rentierten nach dem Anstieg im Vormonat auf 0.3% nun wieder mit praktisch 0%.

 

 

Währungen

Dank den robusten US-Makrodaten und der ausgewogenen Kommunikation konnte der US-Dollar wieder auf breiter Front zulegen, der handelsgewichtete US-Dollar Index legte im Monatsverlauf 1.9% zu. Auch das britische Pfund profitierte von den Aussichten auf eine erste Zinserhöhung, zum Euro resultierte ein Gewinn von 0.7%. Der Franken schwächte sich nach der Einigung zu Griechenland deutlich ab, zum Euro resultierte eine Abwertung von 1.9%. Die SNB gab bekannt, dass sie im ersten Halbjahr einen Verlust von CHF 50.1 Mrd. erlitt, 47 Mrd. davon auf Devisen und 3 Mrd. auf den Goldbeständen.

Erneut stark unter Druck gerieten viele Währungen von aufstrebenden Ländern. Der brasilianische Real verlor 9%, der russische Rubel 10%. Die russische Zentralbank gab bekannt, man wolle die Stützung des Rubels aufgeben, wohl um die schwindenden Devisenreserven zu schonen. Etwas überraschend wurden der RUB-Leitzins aber ein weiteres Mal reduziert.

 

 

Ausblick

Nachdem das dominierende Thema der letzten Wochen zumindest temporär vom Tisch ist, trüben nun bereits andere Probleme die Stimmung. In China müssen die geldpolitischen Massnahmen in den nächsten Monaten die erhoffte Wirkung erzielen. Der erste Zinsschritt in den USA rückt unaufhaltsam näher und obwohl die Märkte kaum besser darauf vorbereitet sein könnten, bleibt die Reaktion der Finanzmärkte doch ungewiss. Solange sich das makroökonomische Bild nicht spürbar eintrübt, sollten die Unternehmen weiteres Wachstum erzielen und damit auch steigende Gewinne erwirtschaften können.

In Kombination mit der anhaltenden Alternativlosigkeit bildet dies mittelfristig weiterhin die Basis für moderat steigende Aktienkurse.