Marktkommentar Februar 2015

Allgemein

Das hochverschuldete Griechenland hat sich in letzter Minute mit seinen Gläubigern einigen können. Damit kriegt es vorerst weiterhin günstige Kredite zur Refinanzierung der bestehenden Schulden. Athens neue Regierung darf nun zudem den Sparkurs leicht lockern und erhält ein bedingtes Mitspracherecht bei den Reformen. Damit setzt Europa weiterhin auf eine Kooperation mit Griechenland und rückt etwas mehr vom Sparprimat zu Gunsten einer wachstumsfreundlicheren Politik ab. Die zyklischen Indikatoren haben sich für Europa jüngst weiter verbessert (siehe IM FOKUS). In den USA macht Notenbankchefin Janet Yellen erneut klar, dass die FED angesichts der nicht vollkommen überzeugenden Konjunkturdaten und den geopolitischen Risiken nicht in Eile ist, die Nullzinspolitik rasch zu beenden. Mit grosser Wahrscheinlichkeit dürfte in den nächsten zwei Sitzungen kein Zinsschritt zu erwarten sein. Bei Ihrer Rede vor dem Kongress bestätigte sie aber auch, dass die Wirtschaft solide ist und immer mehr Zeichen für Lohnanstiege auszumachen seien. Prominentestes Beispiel dafür ist Wal-Mart, welches angekündigt hat, den Stundenlohn für seine Angestellten in diesem Jahr auf $9 zu erhöhen. Dies liegt $1.75 über dem aktuellen Mindeststundenlohn in den USA. An der geopolitischen Front konnte die Einigung auf eine Waffenruhe in der Ost-Ukraine ebenso zur besseren Stimmung beitragen. Die Einigung wirkte Tage später mehr politisch inszeniert, als dass man von einer anhaltenden Waffenruhe ausgehen könnte. Die Investoren scheinen sich jedoch damit abgefunden zu haben.

Aktien

Auf Monatssicht konnten sich unter den gängigen Aktienindizes vor allem europäische und US-amerikanische Barometer weiter avancieren (DAX +6.6%, S&P500 +5.49%) Der SMI ist mit dem Rückenwind vom schwächeren Franken wieder angestiegen und notiert derzeit per Monatsende knapp über der Marke von 9‘000 Punkten. Unter besser als erwarteten Unternehmensergebnissen ist auch der Nikkei225 bei seitwärts tendierendem Yen auf ein neues Mehrjahreshoch angestiegen.

Obligationen

Die 10-jährigen US-Treasuries notieren nach soliden Zahlen zu den neugeschaffenen Stellen in den USA wieder bei 2% nachdem sie Ende Januar noch beim Jahrestiefst von 1.64% aus dem Handel gingen. So haben auch 10-jährige Staatsanleihen der Schweizer Eidgenossenschaft nachgegeben und rentieren wieder mit 0.02% im positiven Bereich. Die griechischen Staatsanleihen rentieren nach wie vor 9.3% trotz vorläufigem Durchbruch im Schuldenstreit. Da bereits in 4 Monaten grosse Fälligkeiten zur Rückzahlung anstehen (siehe im FOKUS), dürften die Renditen kaum deutlicher fallen. Im Hinblick auf das Quantitative Easing (QE) Programm der EZB, welches am 7. März in Kraft treten dürfte, konnten die Anleihen der peripheren Staaten Portugal, Italien und Spanien dazugewinnen. 5-jährige „Bunds“ steigen auf ein neues Rekordhoch, auf Verfall rentierten jene noch -0.1%. Marktbeobachter gehen davon aus, dass angesichts des bevorstehenden QE gar zu wenig Angebot auf dem Markt vorhanden sein wird.

Währungen

Der Schweizer Franken hat nach der Aufhebung des EUR/CHF Mindestkurses gegenüber den Hauptwährungen wieder Terrain eingebüsst. Am stärksten eingebüsst hat der CHF gegenüber rohstoffsensitiven Währungen wie dem Australischen und Kanadischen Dollar oder auch der Norwegischen Krone. Zum EUR resultiert eine Abschwächung von fast 3% (EURCHF = 1.068). Das britische Pfund hingegen profitierte im Februar von Zinsspekulationen und gewinnt 6.25% zum Franken.

Ausblick

Mit der Entschärfung des Schuldenstreites in der Eurozone hat sich das Wachstumsbild wieder etwas aufgehellt. Die Marktteilnehmer können sich nun verstärkt auf die Unternehmens- und Makrodaten fokussieren. Die EZB wird im März mit den angekündigten Anleihenkäufen starten, was die Zinsen im Euroraum weiter tief halten wird und Aktien unter den Investoren wieder verstärkt zur alternativlosen Anlageklasse befördert. Kurz gesagt: Die Geldschleusen bleiben geöffnet und dies nicht nur im Euroraum. Dieses Jahr hat es bereits 19 geldpolitische Lockerungen durch Zentralbanken gegeben. Unter dieser sehr expansiven Politik weltweit wird es für die US Notenbank FED immer schwieriger zurück zu „normalen“ Zinsen zu finden. Diese Divergenz der Geldpolitiken dürfte uns wohl die nächsten Jahre noch beschäftigen. Mit den extrem tiefen Renditeniveaus ist zudem bei langläufigen Staatsanleihen mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Mittelfristig gehen wir davon aus, dass die Geldschwemme Risikopapiere weiter unterstützen wird. Mit besseren Daten aus dem Euroraum haben wir vor der Griechenland-Einigung unsere Aktienquote in Europa erhöht.