Marktkommentar August 2015

Allgemein

Die massgebenden Impulse für die Finanzmärkte gingen im August von China aus. Die abrupte Abwertung des Yuan um rund 3% verunsicherte die Investoren. Viele sahen darin einen Versuch der Zentralregierung, das Wachstum zu stützen und schlossen daraus, dass es schlecht um die chinesische Wirtschaft stehen müsse. Aussagen grosser Rohstoffhändler wie Glencore, welche von einer deutlichen Abschwächung der chinesischen Nachfrage warnten, verstärkten die Verunsicherung zusätzlich.

In Summe erlebten die Aktienmärkte eine Achterbahnfahrt wie sie seit der Finanzkrise nicht mehr vorkam. Der Shanghai Composite Index büsste in wenigen Tagen einen Viertel des Wertes ein und zog auch die westlichen Aktienmärkte mit in die Tiefe. Die chinesische Zentralbank sah sich gezwungen, auf die Turbulenzen zu reagieren und die Leitzinsen um weitere 0.25% und den Mindestreservesatz für Banken gar um 0.5% zu senken. Die Verwerfungen an den Aktienmärkten standen etwas im Widerspruch zu den jüngsten Makrodaten. So gibt es keine Anzeichen für ein baldiges Ende des stabilen Wachstumstrends in den USA und für Europa signalisieren die jüngsten Daten ebenfalls eine Beschleunigung. Das Wachstum der US-Wirtschaft betrug im 2. Quartal nach neusten Daten +3.7% und lag damit deutlich über vorherigen Schätzungen.

Vom jährlichen Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole unter dem Titel „Inflation Dynamics and Monetary Policy“ gingen relativ wenige Impulse aus, die Entscheidungsträger des FED lassen weiterhin offen, ob die US-Zinsen bereits im September zum ersten Mal erhöht werden sollen.

Die europäischen Wirtschaftsindikatoren scheinen nur marginal unter den langwierigen Schuldenverhandlungen zu leiden. Die letzten Daten zur Industrieproduktion enttäuschten in Deutschland zwar leicht, übertrafen aber in Frankreich, Italien und Spanien die Erwartungen teils deutlich. Die publizierten Daten zur US-Volkswirtschaft enthielten hingegen keine grösseren Überraschungen und weisen damit weiterhin auf einen stabilen Wachstumstrend hin.

 

 

Aktien

Die Unsicherheiten um China lösten einen abrupten Anstieg der Volatilität an den Aktienmärkten aus. Der Volatilitätsindex VIX legte innerhalb von nur zwei Handelstagen um 21.6% auf 40.7% zu. Dies ist mit Abstand der höchste jemals gemessene Anstieg in so kurzer Zeit, obwohl der Index bereits seit 1990 existiert. Wie erwähnt brach der chinesische Aktienmarkt am stärksten ein, dicht gefolgt von den europäischen Märkten, welche innert nur zwei Handelswochen rund 16% verloren. Als die Aktienmärkte am Montag 24. August im Tagesverlauf bis zu 9% tiefer notierten, schien das Ende der laufenden Korrektur bereits nahe. Die Aktienmärkte erholten sich im Anschluss zusehends, trotzdem resultierten per Monatsende immer noch stattliche Verluste zwischen -6% (S&P 500) und -9% (DAX).

Wie sich bereits Ende Juli abzeichnete, konnten die US-amerikanischen wie auch die europäischen Unternehmen auch im 2. Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen leicht übertreffen.

 

 

 

Obligationen

Das FED bekräftige erneut, die eigenen Prognosen für die Entwicklung der Inflation und des Arbeitsmarktes verstärkt in Abhängigkeit von der globalen Entwicklung zu treffen. Die Wachstumsängste in China und der Einbruch der Aktienmärkte führten somit zu einer deutlich gedämpften Erwartung für eine Zinserhöhung im September.

Als Folge des sehr nervösen Marktgeschehens und der rekordtiefen Rohstoffnotierungen stiegen die Risikoaufschläge hochverzinslicher Anleihen wieder deutlich an, insbesondere Papiere aus dem US-Schieferölsektor verloren zeitweise über 10% ihres Wertes. Ähnlich düster sah das Bild bei vielen Emerging Markets-Anleihen aus, hier verloren breite Indizes ebenfalls 6-7% an Wert. Mit -0.1% notierte der 10jährige Eidgenosse nach wie vor im negativen Bereich.

 

 

 

Währungen

Die Schwankungen an den Devisenmärkten waren ebenfalls deutlich ausgeprägter als in den Vormonaten. Die Aussichten auf ein weiteres Aufschieben des ersten Zinsschrittes in den USA liessen den USD zum EUR phasenweise um bis zu 5% abwerten, mit guten Makrodaten aus den USA resultierte schliesslich eine Abwertung von 1.8%. Trotz der grossen Rückschläge an den Aktienmärkten schwächte sich der CHF zum EUR im August um rund 2% ab und veränderte sich zum USD somit nur marginal. Der japanische YEN pendelt sich zum USD immer mehr auf dem Niveau vor der Finanzkrise ein. Damit scheint die drei Jahre anhaltende Abwertungsphase nun zu Ende zu gehen. Erneut grosse Verluste verzeichneten rohstoffsensitive Währungen. Der kanadische Dollar verlor 1.3% zum USD, der australische Dollar sogar 2.6%. Noch schlimmer erwischte es manche Emerging Markets Währung, der chilenische Peso büsste 3% ein, der russische Rubel verlor 4.7%.

 

 

 

Ausblick

Die tiefen Rohstoffpreise sind zwar auch eine Folge des verlangsamten Wirtschaftswachstums in China, vielmehr aber noch eine Folge des laufenden Transformationsprozesses. Nachdem der Aufschwung in den letzten Jahren insbesondere durch die Exporte und Investitionen getrieben waren, gewinnt der Privatkonsum immer mehr an Bedeutung (siehe im FOKUS).

Dieser Wandel hin zu einer konsumorientierten Volkswirtschaft reduziert unweigerlich die Nachfragen nach Rohstoffen. In Kombination mit den rekordtiefen Energiepreisen wird sich der Rückgang bei den Rohstoffpreisen mittelfristig als globaler Wachstumstreiber erweisen. Zudem scheint es nun wahrscheinlicher, dass der erste Zinsschritt des FED nicht bereits im September sondern erst gegen Jahresende, wenn nicht gar erst im 2016 erfolgen könnte. Obwohl das Umfeld für Aktienanlagen etwas schwankungsanfälliger wurde, erwarten wir in den nächsten Quartalen weiterhin moderate Kursgewinne.