Marktkommentar April 2015

Das griechische Bankensystem verzeichnete weiterhin massive Abflüsse und den Banken fällt es zunehmend schwer, passende Sicherstellungen für ihre Refinanzierungen bei der EZB zu leisten. Sollte die EZB den griechischen Banken den Geldhahn zudrehen (müssen), werden Kapitalverkehrskontrollen wohl unumgänglich werden. Trotzdem blieben die Verhandlungen zwischen Griechenland und der Eurogruppe auch im April noch ohne zählbares Ergebnis. Da sich der Ton aber zunehmend verschärfte, sah sich Alexis Tsipras gezwungen, die Zusammensetzung des eigenen Verhandlungsteams umzubauen und einen etwas EU-freundlicheren Kurs einzuschlagen. Dieser Schritt kommt einer weitgehenden Entmachtung des griechischen Finanzministers Janis Varoufakis gleich und wurde vom Bondmarkt wohlwollend aufgenommen. Es bleibt aber abzuwarten, ob dies einen entscheidenden Durchbruch bei den festgefahrenen Verhandlungen ermöglicht. Wie die letzten PMI-Daten aus Europa signalisieren, scheint die Griechenland-Krise bereits auf die Stimmung der europäischen Unternehmen zu drücken. Es ist zu hoffen, dass dies ein temporäres Phänomen bleibt und die zaghaften Wachstumsfortschritte nicht bereits im Keim erstickt werden.  Der harte Winter, der starke USD und die sinkenden Investitionsausgaben in der Ölindustrie hinterlassen in der US-Wirtschaft Spuren, das Wachstum im ersten Quartal fiel mit 0.2% schwach aus. Obwohl die von den FOMC-Mitgliedern ausgesandten Signale vor dem Meeting vom 29. April sehr unterschiedlich waren, blieben eigentliche Überraschungen aus. Wir gehen nicht von einer Trendwende aus und rechnen ausgehend von der guten Konsumstimmung mit einer erneuten Beschleunigung im 2. Quartal (siehe auch IM FOKUS). Aufgrund der letzten Makrodaten wird die chinesische Zentralregierung schon bald weitere wachstumsfördernde Massnahmen beschliessen.

Aktien

Der Verlauf an den Aktienmärkten war spürbar nervöser als in den Vormonaten. Die Volatilität legte, gemessen am europäischen Volatilitätsindex VStoxx, deutlich von 17 auf 25 zu. Die wichtigsten Ak-tienmärkte büssten in der letzten Handelswoche um bis zu 3% ein. Auf Monatsbasis waren nur die wenigsten Indizes knapp gehalten und der DAX verlor gar fast 5%. Die Berichterstattung zu den Quartalsergebnissen verlief bislang überraschend positiv. Die Sektoren Oil & Gas, Basic Materials und Health Care übertrafen die Erwartungen im S&P 500 am deutlichsten. Insgesamt lag das Ge-winnwachstum mit 3.6 % einigermassen deutlich über den Erwartungen von 3.4%. Mit einem Wachs-tum von 5.4% wurden die Markterwartungen in Europa (4.8%) zwar nicht über alle Sektoren aber zumindest in der Summe noch etwas klarer überflügelt. Da die Performance der US-Märkte im bishe-rigen Jahresverlauf weit zurück lag und der USD zum EUR im April um fast 5% abwertete, entwickelten sich die US-Indizes dennoch viel besser als die Europäischen.

Obligationen

Vor den personellen Anpassungen bei den griechischen Verhandlungsteams stiegen die Renditen für 10jährige griechische Staatsanleihen mit knapp 13.5% auf die höchsten Stände seit Ende 2012. Von den Turbulenzen um Griechenland blieben die anderen Peripheriestaaten Europas bisher weitgehend unberührt und die Renditen stiegen nur geringfügig an. Mario Draghi wollte von einem frühzeitigen Ende des erst gerade gestarteten Anleihenkaufprogrammes nichts wissen. Bevor sich die Inflationserwartungen nicht wieder dem Ziel von 2% annähern, dürfte das Programm somit wie an-gekündigt fortgesetzt werden. Damit werden die Kapitalmarktrenditen in der Eurozone und auch in der Schweiz weiterhin sehr tief bleiben. Das FED-Meeting Ende April gab wie erwartet noch keine neuen Anhaltspunkte zum Zeitpunkt des möglichen ersten Zinsschrittes. Eine erste Zinserhöhung im Sommer wurde nicht explizit ausgeschlossen, erscheint aber recht unwahrscheinlich. Der Markt rechnet nach wie vor mit dem ersten Zinsschritt im dritten Quartal.

Währungen

Die etwas schwächeren US-Wirtschaftsdaten beendeten die USD-Hausse zumindest temporär. Nachdem sich der CHF zum EUR im Monatsverlauf der Marke von 1.02 annäherte, lösten gegen Monatsende Hoffnungen auf Fortschritte im Schuldenstreit eine deutliche Gegenbewegung bis 1.05 aus. Möglich ist auch, dass die SNB wieder intervenierte. Der Druck auf die Notenbank dürfte erst bei einer nachhaltigen Lösung zu Griechenland nachlassen. Sollte die nachlassende Dynamik der US-Wirtschaft im ersten Quartal keine wetterbedingte und damit temporäre Erscheinung sein, wird das Pendel wohl weiter zu Gunsten des EUR umschlagen. Russland wird zum Opfer der grosszügigen Liquiditätsversorgung des heimischen Banksektors und leidet unter der spekulationsbedingten und fundamental nicht begründbaren Rubel-Stärke der letzten Wochen. Dies war wohl einer der Gründe dafür, dass die Russische Zentralbank die Leitzinsen erneut deutlich reduzierte.

Ausblick

Das Umfeld mit anhaltend tiefen Zinsen und deutlich tieferen Rohstoffpreisen bleibt weiterhin aktien-freundlich. Vor allem die US-Aktienmärkte verzeichneten jedoch in den letzten Wochen eine nach-lassende Dynamik. Zudem haben die Marktteilnehmer ihr Gehör für schlechte Nachrichten wieder gefunden und reagieren entsprechend. Auch nähern wir uns einer saisonal eher schwierigen Zeit. Die Märkte scheinen also etwas anfälliger für eine Korrektur und wir würden weitere Kursfortschritte wohl nutzten, um temporär die Aktienrisiken etwas zu reduzieren. Ohne weitere Eintrübung des mak-roökonomischen Bildes werden Rückschläge an den Aktienmärkten – auch mangels Alternativen – jedoch weiterhin auf Anschlusskäufer treffen. Deshalb hat sich an unserer mittelfristig positiven Ein-schätzung für die Aktienmärkte nichts geändert.