Marktkommentar September 2014

Allgemein

Schottland entschied sich gegen die Unabhängigkeit, womit Grossbritannien und der EU weitere Zerreissproben bewahrt blieben. Solange die wirtschaftliche Belebung im peripheren Europa aber auf Sparflamme läuft, wird immer wieder mit regio-nalen Unabhängigkeitsbestrebungen zu rechnen sein. Die Ukraine-Krise verharrte weiterhin im „On-/Off-Modus“. Obwohl sich Russland weiterhin als geschickter Taktierer zu bewegen verstand, wird immer klarer, wer Regie führt. Die Finanzmärkte scheinen sich bereits mit der Krise arrangiert zu haben, mit fortschreitender Dauer nehmen die negativen Einflüsse auf die Realwirtschaft in Europa jedoch zu. In Deutschland sank der Ifo-Geschäftsklimaindex den fünften Monat in Folge auf den tiefsten Stand seit April 2013, wobei die Aussichten noch schlechter eingeschätzt werden als die aktuelle Lage. Die Märkte hatten aber mehr Gehör für den Chef der EZB. Mario Draghi versicherte in einem französischen Radio, dass die Leitzinsen im Euroraum noch für eine lange Zeit tief bleiben werden und Deflationsängste unnötig sind. Die Gräueltaten der IS erreichten eine neue Eskalationsstufe. Mit gezielten Angriffen auf Öl-Anlagen sollen die wichtigsten Geldquellen zum Versiegen gebracht werden.

Aktien

Die M&A Aktivitäten vor allem auch jenseits des Atlantiks blieben hoch. Wie im letzten Monatskommentar erwartet, wurden in den USA nun erste Schritte zur Einschränkung von steuerlich motivierten Übernahmen und Fusionen durch US-Firmen diskutiert. Die Entwicklung an den Aktienmärkten war wiederum sehr unterschiedlich. Der britische Aktienmarkt schloss mit -2.9% wohl als Folge der Unabhängigkeitsabstimmung deutlich schwächer ab, als die restlichen grossen Märkte. Die US Börse hinkte mit -1.5% ebenfalls hinterher. Trotz der weiterhin ungelösten Ukraine-Krise scheint der schwächere Euro Um-schichtungen zu Gunsten europäischer Aktien auszulösen. Die Entwicklung in Japan blieb erfreulich und die Erhöhung der Mehrwertsteuer konnte einigermassigen abgefedert werden. Die tiefe Arbeitslosigkeit führt auf absehbare Zeit zu steigenden Löhnen und verleiht dem japanischen Markt weiteren Auftrieb. Die teils deutlichen Rückschläge an den Aktienmärkten im Monatsverlauf führten auch zu einem Anstieg der Volatilität. Dies haben wir zum Anlass genommen, um bestehende Absi-cherungen aufzulösen, respektive situativ die Aktienrisiken etwas zu erhöhen.

Obligationen

Der Appetit der Banken auf die erste Tranche der zweckgebundenen Langfristkredite (TLTRO) blieb deutlich hinter den Er-wartungen zurück. Mit der im Juni beschlossenen neuen EZB-Geldspritze erhalten die Banken 4-jähriges Zentralbankengeld zu 0.15%. Mario Draghis jüngste Äusserungen lassen auf eine deutliche Ausweitung der EZB-Bilanz schliessen und nährten Spekulationen, dass diese auch den Kauf von Staatsanleihen zur Folge haben könnte. Janet Yellen übt noch an der Feinad-justierung ihres Erwartungsmanagements. Am letzten FED-Meeting wurde eher auf die Zinserwartungsbremse getreten. Zuletzt sah sich die FED-Chefin aber gezwungen, die Marktteilnehmer daran zu erinnern, dass die Zinsen auch früher als erwartet angehoben werden können. Dies bei einer weiterhin positiven realwirtschaftlichen Entwicklung. Insgesamt gab es bei den Kapitalmarktrenditen auf Monatsbasis wenig Bewegung, per Monatsende sanken viele langfristige Renditen wieder in Richtung der Rekordtiefs.

Währungen

Aufgrund der dynamischen Entwicklung der US-Wirtschaft hielt die Stärke des US-Dollar an. Der Greenback verteuerte sich seit Ende Juni sowohl zum EUR als auch zum JPY um fast 8.5%. Dieser Trend wird wohl weiter anhalten, wenn die US-Zinsen zu steigen beginnen (siehe IM FOKUS). Obwohl der Euro Anfangs Monat unter 1.2050 fiel, war die SNB anschei-nend noch nicht zu Interventionen gezwungen. Die SNB wies an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung darauf hin, dass sich die Aussichten für die Schweizer Volkswirtschaft eher wieder verschlechterten und die Teuerung deutlich später anziehen dürfte als bislang erwartet. Der russische Rubel wertete sich gegenüber dem Dollar um weitere 6.3% ab und liegt nun seit Jahresanfang 17% im Minus. Die russische Regierung erwägt inzwischen Kapitalkontrollen, um der beschleunigten Kapital-flucht Einhalt zu gebieten.

Ausblick

Die von vielen erwartete saisonale Schwäche an den Aktienmärkten ist bisher noch ausgeblieben. Da die Anzahl Unsicher-heitsfaktoren eher weiter zugenommen hat, scheint eine gewisse Vorsicht angebracht. Mittelfristig spricht aber das Umfeld weiterhin eher für Aktienanlagen. Die Realwirtschaft im peripheren Europa hat sich stabilisiert und Anzeichen eines begin-nenden leichten Aufschwungs sind spürbar. Die EZB ist bereit bis zum Äussersten zu gehen und die Deflationsängste scheinen übertrieben. Auch der Einfluss der Austeritätsmassnahmen nimmt im nächsten Jahr weiter ab. Das gezielte An-schieben der chinesischen Konjunktur geht weiter und die Korrektur auf dem Immobilienmarkt bleibt ein kalkulierbares Risiko. Die Renditen auf Staatsanleihen verharren auf rekordtiefen Niveaus und die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen können kaum weiter sinken.