Marktkommentar Oktober 2014

Allgemein

Die Finanzmärkte schalteten im Oktober auf Achterbahnmodus, die ausbleibende Beruhigung vieler geopolitischer Krisenherde und zunehmende Wachstums- und Deflationsängste in Europa mischten sich zu einem giftigen Cocktail. Die globalen Aktienmärkte reagierten zum Teil panisch, die Objektivität schien sowohl bei den Marktteilnehmern wie auch bei den Kommentatoren etwas verloren gegangen zu sein. Nachrichten wurden in der Tendenz negativ interpretiert und führten im Falle des DAX zur grössten Korrektur seit Anfangs 2012. Der Index lag zeitweise fast 15% unter dem Jahreshöchstwert von Anfangs Juli. Erst die fortschreitende Berichterstattung zu den Quartalsergebnissen brachte die erhoffte Beruhigung. Wie von vielen Medien bereits im Vorfeld verkündet, fielen 25 Banken durch den Stresstest der EZB. Der ermittelte Kapitalbedarf, welcher den betroffenen Banken das Überstehen der nächsten Krise erlauben soll, lag deutlich unter den Befürchtungen. Frankreich griff in letzter Minute in die Trickkiste und verhinderte damit eine Eskalation im Budgetkonflikt mit der EU. Leider scheint sich die politische Elite Frankreichs dem Ernst der Lage aber immer noch nicht bewusst zu sein. Durch eine erneute Verschärfung des Konfrontationskurses zur EU versucht Englands Premier Cameron der EU-kritischen Partei Ukip das Wasser abzugraben. Die realwirtschaftlichen Aussichten in der EU trübten sich nochmals leicht ein. Die EZB gab zu Beginn des Monats den bereits seit geraumer Zeit diskutierten Kauf von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen bekannt. Die erste Tranche dieses Programmes wurde bereits abgeschlossen und fiel mit einem Volumen von EUR 1.7 Mia. etwas höher als erwartet auf. Ob und wie schnell damit der Kreditfluss in der Eurozone in Gang gebracht werden kann, wird sich zeigen müssen. In den USA fielen die realwirtschaftlichen Daten insgesamt weiterhin positiv aus und auch Japan wusste mit einem überraschend starken Anstieg der Industrieproduktion zu gefallen. Die Daten aus China konnten die Erwartungen ebenfalls erfüllen und die jüngsten BIP-Daten bestätigten eine steigende Bedeutung des Binnenkonsums.

Aktien

Die Aktienmärkte brachen zwischen Mitte September und Mitte Oktober auf breiter Front zwischen 8 und 13% ein, die stärksten Korrekturen mussten die europäischen Aktienmärkte hinnehmen. Aufgrund der besseren realwirtschaftlichen Entwicklung und Aussichten koppelten sich die US-Aktien hingegen etwas ab und gaben deutlich weniger nach. Die nachfolgende Beruhigung an den Aktienmärkten ging von positiven Überraschungen bei den Quartalsergebnissen aus. Trotzdem weisen viele europäische Aktienmärkte eine deutlich negative Monatsperformance auf, der DAX verlor -1.56%, der EURO STOXX 50 sogar -3.5%. Bislang haben 80% der Unternehmen im S&P 500 einen Gewinn und 60% einen Umsatz über den Erwartungen veröffentlicht. Auch in Europa und in der Schweiz konnten die Unternehmensergebnisse mehrheitlich überzeugen. Technologiewerte wie Twitter oder Amazon enttäuschten die etwas hochgesteckten Erwartungen hingegen teilweise.

Obligationen

Der Ankauf von Anleihen durch die EZB wurde Anfangs Oktober offiziell beschlossen. Ob der Markt überhaupt ausreichend Volumen hergibt, um die geplante Ausweitung der EZB-Bilanz zu bewerkstelligen, bleibt ungewiss. Über eine Ausdehnung des auf zwei Jahre angesetzten Programmes auf Unternehmens- und womöglich sogar Staatsanleihen wurde deshalb rege spekuliert. Die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen erreichten mit 0.75% ein neues Rekordtief, die Schweizer Pendants erreichten mit 0.4% ebenfalls wieder Tiefstwerte. Das FED beschloss an der Sitzung vom 29. Oktober 2014 zwar das Ende der quantitativen Lockerung, stellte aber weiterhin tiefe Leitzinsen für längere Zeit in Aussicht. Die Bank of Japan überraschte den Markt mit der Ankündigung einer weiteren quantitativen Lockerung, die Bilanzsumme soll pro Jahr anstatt 60-70 Bio. Yen neu um 80 Bio. wachsen. Die schwedische Riksbank senkte den Leitzins auf 0% und gestand so ein, dass die Zinserhöhungen von 2010 und 2011 verfrüht waren.

Währungen

Viele der wichtigen Währungspaare handelten per Saldo seitwärts. Der Dollar legte zu Beginn des Monats deutlich zu, korrigierte im Monatsverlauf mit aufkommenden Wachstumsängsten deutlich, unter dem Strich wertete der Dollar zum Euro um 0.8% auf. Insgesamt dürfte die Abwertung des EUR zum USD weiter gehen, was der Exportwirtschaft in der Eurozone etwas Rückenwind verleihen wird. Der Euro verharrt zum Franken seit einigen Wochen um 1.2050 herum. Die SNB hat in den vergangenen Monaten wiederholt bestätigt, an der Kursuntergrenze von 1.20 festzuhalten. Der russische Rubel verlor im Monatsverlauf zum Dollar nochmals 8%, die russische Notenbank verlor durch Stützungskäufe Devisenreserven im Wert von 20 Mrd. USD und die per Monatsende angekündigte Erhöhung der Leitzinsen von 8% auf 9.5% zeugte von der Ratlosigkeit der Währungshüter.

Ausblick

Die realwirtschaftlichen Aussichten in Europa sind zwar nicht rosig, scheinen jedoch nicht ganz so trübe zu sein, wie aktuell von vielen eingestuft (siehe auch IM FOKUS). Der ohnehin nur zaghafte Aufschwung wurde durch die Ukrainekrise aber spürbar ausgebremst. Die Wachstumsraten in Europa werden zwar tief, aber zumindest positiv bleiben. Zudem wird die EZB ohne Zweifel weitere Massnahmen einleiten um dem Deflationsgespenst den Schrecken auszutreiben. Obwohl die Schwankungsanfälligkeit deutlich grösser geworden ist, sind weiter leicht steigende Notierungen an den Aktienmärkten, insbesondere in den USA und Japan, möglich. Zum Spielverderber würde aber ein erneutes Abrutschen der Eurozone in eine Rezession werden.