Marktkommentar Mai 2014

Allgemein

In der Ukraine wählte das Volk mit Petro Poroshenko einen neuen Staatspräsidenten. Dieser erklärte sich nach seinem Wahlsieg grundsätzlich zum Dialog mit Russland bereit. Auch Russlands Präsident Putin liess verlauten, man wolle das Gespräch suchen. Obwohl der Konflikt im Osten der Ukraine ungelöst bleibt, reagierten die Märkte positiv auf den Wahlausgang und die Versuche zur Deeskalation.

In Europa fielen die Wirtschaftsdaten eher verhalten aus. Während Deutschland im ersten Quartal mit guten 2.5% wuchs, enttäuschten nicht nur die Südländer, auch Staaten wie Finnland (-2% BIP-Wachstum) oder die Niederlande (-0.5% BIP-Wachstum) blieben zurück. Ein Teil dieser Schwäche kann durch den starken Euro erklärt werden. Wohl auch deswegen liess die EZB im Mai verlauten, man prüfe weitere expansive Massnahmen.

In den USA fielen die Makrodaten in Summe positiv aus. Nachdem Konsum und Industrie bereits im Vormonat deutlich expandierten, fielen nun auch die Daten aus dem etwas trägeren Häusermarkt wieder positiver aus. In China blieb der Immobilienmarkt unter Druck, sowohl Preise als auch die Bau- und Verkaufstätigkeit enttäuschten (siehe IM FOKUS). Ansonsten zeigte der letzte Wert des Einkaufsmanagerindex eine Stabilisierung des Wachstums an.

Aktien

Die Performanceunterschiede der einzelnen Sektoren und Länder waren im Mai recht hoch. Während in den USA der S&P 500 +2.1% zulegte, blieb der Russell 2000 mit +0.68% deutlich zurück. In Europa variierte die Performance der verschiedenen Länderindizes ebenfalls deutlich. Der DAX legte 3.5% zu, der FTSE MIB andererseits verlor -0.7%, auch der französische CAC 40 legte mit +0.7% nur leicht zu. Ein ähnliches Bild ergab sich bei den Sektoren. Zu den Verlierern gehörten insbesondere zyklische Sektoren wie  Banken, Bau- und Rohstoffwerte, zulegen konnten defensive Öl-, Telecom- und Versorgertitel. Der VIX als Volatilitätsmesser sank auf 11.4%, so tief wie zuletzt im März 2013. Trotz der geopolitischen Unsicherheiten rechnete also kaum jemand mit stärkeren Verwerfungen an den Aktienmärkten.

Obligationen

Im Vorfeld der Europawahlen kam es bei den Anleihen der europäischen Peripherie temporär zu einer Schwäche, nach dem Abstimmungswochenende normalisierten sich die Spreads wieder. Per Saldo resultierte zum Beispiel bei den italienischen 10-jährigen Staatsanleihen im Monatsverlauf sogar ein weiterer Rückgang der Renditen um 0.1%. Auch in den USA sank die Rendite 10-jähriger Treasuries nochmals weiter auf 2.48%. Die Investoren sind weiterhin verzweifelt auf der Suche nach Rendite. Kleinere Frankenemissionen wir die der Schön Klinik oder der Aevis Holding waren innerhalb weniger Stunden bis zu 10-fach überzeichnet. So ging auch die Emissionstätigkeit im High Yield Bereich unvermindert weiter. Gemäss Bloomberg wurde weltweit seit Jahresanfang ein Volumen von USD 119 Mrd. an Anleihen mit Rating „B“ oder schlechter platziert. Im Vergleich dazu lag die Emissionstätigkeit im H1 des Boomjahres 2006 bei nur USD 57 Mrd. Ob in mittlerer Zukunft ein grosser Teil dieser neu platzierten Anleihen wieder pauschal als „Giftmüll“ bezeichnet werden wird, bleibt abzuwarten.

Währungen

Der Euro neigte nach der EZB-Sitzung vom 8. Mai gegenüber dem Dollar zur Schwäche und verlor im Monatsverlauf 1.6%.

Falls an der nächsten Sitzung vom 5. Juni eine quantitative Lockerung bekannt gegeben wird, dürfte die Einheitswährung weiter zur Schwäche neigen. Falls nur eine weitere Zinssenkung kommt, dürfte dies nicht reichen, um den Euro weiter nachhaltig zu schwächen. Nachdem Japan ein überraschend hohes BIP-Wachstum fürs erste Quartal publizierte, gewann der Yen zum Euro rund 2% und zum US-Dollar rund 0.4%. Vielen Beobachter gehen davon aus, dass die Bank of Japan trotz zufriedenstellender Makrodaten eine neue Runde der quantitativen Lockerung bekanntgeben wird, zumal der Effekt der letzten Yen-Abwertung bald verpuffen wird und noch unklar ist, wie stark der unterliegende Deflationstrend bereits gebrochen ist.

Ausblick

Obwohl die Bewertungen der meisten Aktienmärkten nicht günstig ist, glauben wir an weiteres Potential. Die Weltwirtschaft ist auf Wachstum angewiesen und dies wird weiterhin mit allen Mitteln herbeigeführt. Zudem werden die Deflationsgefahren in Europa nun ernst genommen und wohl mit weiteren Massnahmen seitens der EZB bekämpft werden.

Durch das schrittweise Zurückfahren der quantitativen Lockerung befinden wir uns in den USA aber bereits im Wechsel von einem liquiditäts- in eine gewinngetriebenen Aktienmarkt. Erneute deutliche Kursfortschritte bedürfen daher einer weiteren Belebung der Gewinnentwicklung. Die Chancen dafür scheinen durchaus intakt, der Weg dahin wird aber kaum störungsfrei verlaufen. Je nach Marktverlauf werden wir in den saisonal eher schwierigen Wochen, die vor uns liegen, die Aktienrisiken temporär etwas reduzieren.