Marktkommentar November 2013

Allgemein

Die Stimmung an den Finanzmärkten blieb nach wie vor freundlich. Die Leitzinssenkung durch die EZB kam zwar etwas überraschend, steht jedoch durchaus im Einklang mit den Makrodaten der letzten Monate. Vor allem die Kluft zwischen Deutschland und der Peripherie wurde nicht kleiner. CDU/CSU und die SPD konnten sich auf eine grosse Koalition einigen, womit Deutschland drohende Neuwahlen im nächsten Frühling erspart blieben. In den USA griffen nun auch mal die Demokraten zu einem juristischen Winkelzug. Der Senat änderte die parlamentarischen Spielregeln zum Filibuster (blockierende Dauerrede) entscheidend und erhöhte damit die Beschlussfähigkeit deutlich. Die Wirtschaft des Landes wuchs im Q3 etwas stärker als erwartet. Es bleibt aber abzuwarten, ob der damit zusammenhängende Lageraufbau auch auf den notwendigen Nachfrageanstieg stossen wird. Die meisten Indikatoren liessen bislang darauf schliessen, dass die Budgetkrise keine grossen Spuren hinterlassen hat. Die Einigung im Atomstreit mit dem Iran entlastete den Ölpreis nur leicht. Es ist eher nicht mit einem nachhaltigen Rückgang der Ölpreise zu rechnen, zu einseitig ist die Interessenslage der produzierenden Länder und zu gross bleiben die politischen Risiken im Nahen Osten. China wird das Reformtempo gemächlich halten und die Makrodaten aus China lagen – wenig überraschend – wie in den Monaten zuvor innerhalb der Erwartungen.

Aktien

Insgesamt entwickelten sich die Aktienmärkte weiterhin positiv. Der MSCI World legte 1.6% zu, der SPI gewann 0.5%. Das Festhalten an der ultraexpansiven Geldpolitik verbesserte die Rahmenbedingungen für japanische Aktien deutlich (siehe auch IM FOKUS). Wir nutzten die Schwäche des MSCI Japan zu Monatsbeginn um hier eine Position aufzubauen, was sich als richtig herausstellte. Mit einem Monatsplus von 5.8% wurde der Rest des Marktes schliesslich deutlich geschlagen. Einige europäische Märkte wie Italien oder Spanien verzeichneten gar den ersten negativen Monat seit Juni dieses Jahres. Finanztitel gehörten nur in den USA zu den gesuchten Werten. In der Schweiz und in Europa litten Banken unter dem Regulierungsdruck, der schleppenden Realwirtschaft und eher enttäuschenden Ergebnissen.

Obligationen

Die EZB-Zinssenkung blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Renditelandschaft. Insbesondere am kurzen Ende sank die Euro-Zinskurve wieder deutlich. Analog dazu fiel auch die Franken-Zinskurve wieder, die Rendite 10-jähriger Eidgenossen sank von 0.92% auf 0.88%. Mit Ausnahme von Griechenland beruhigte sich die Situation in der europäischen Peripherie weiter. In den USA führte das stete Thematisieren des Taperings einerseits und die guten Makro- und insbesondere Arbeitsmarktdaten anderseits zu einem leichten Anstieg der Zinskurve. Die Spreads von Emerging Markets Anleihen stiegen im Hinblick auf ein mögliches Ende der quantitativen Lockerung wieder an. Aufgrund steigendem Inflationsdruck und der Aussicht auf eine restriktivere US-Geldpolitik erhöhten die Notenbanken von Brasilien und Indonesien die jeweiligen Leitzinsen.

Währungen

Der Franken handelte im Monatsverlauf insgesamt relativ ruhig, per Saldo resultierten kaum grosse Wertschwankungen zum Euro oder Dollar. Der Yen schwächte sich zum Dollar weiter ab und konnte die psychologisch wichtige Marke von 100 wieder überschreiten. Im Einklang mit steigenden Spreads schwächten sich auch die Währungen vieler Emerging Markets erneut ab. So verlor die indische Rupie 0.8% und der brasilianische Real sogar 4.1%. Obwohl Australien vom Reformwillen Chinas profitieren dürfte, verlor auch der australische Dollar 3.8%, wobei hier die Notenbank aktiv eine Abwertung anstrebt.

Ausblick

Solange die Geldpolitik keine Kehrtwende macht und die Stimmung nicht durch geopolitische Konflikte gedrückt wird, halten wir an einer konstruktiven Einschätzung für die Aktienmärkte fest. Die Märkte werden seit Monaten in homöopathischen Dosen auf ein Ende des QE vorbereitet, das effektive Eintreten sollte nur zu leichten und vorübergehenden Turbulenzen führen. Kurzfristig scheint es, als ob die Marktteilnehmer die Chancen stärker gewichten als mögliche Risiken, weshalb weitere Kursgewinne im Dezember nicht unwahrscheinlich sind. Die nächste grössere Zündung für die Aktienmärkte muss jedoch von steigenden Gewinnen ausgehen.