Marktkommentar Juni 2013

Allgemein

Alle Augen waren im Juni auf Ben Bernanke gerichtet. Dieser initiierte mit seinen Äusserungen die erste Phase des Ausstiegs aus der quantitativen Lockerung, was zu heftigen Kurskorrekturen bei sämtlichen Anlageklassen führte. Die Heftigkeit der Marktreaktionen überraschte viele, zumal das Ende der Anleihenkäufe nur unter der Bedingung positiver Wirtschaftsdaten in Aussicht gestellt wurde. Der weitere Verlauf des einmaligen Experiments bleibt jedoch weiterhin ungewiss (siehe Fokus). Das zweite Epizentrum der Marktverwerfungen lag in China, wo die People‘s Bank of China dem Geldmarkt aktiv Liquidität entzog um das Schattenbankensystem zu disziplinieren. Die Bereitschaft, den Markt aktiv zu destabilisieren, überraschte viele. Die Notenbank betonte später, die Systemstabilität nicht gefährden zu wollen. Bezüglich Wirtschaftsdaten waren aus den USA mehrheitlich positive Signale zu vernehmen. Der Konsument präsentierte sich weiterhin in guter Stimmung, der Detailhandel konnte weiter zulegen. Daten aus Europa überzeugten weniger, immerhin schien sich die Lage weiter zu stabilisieren und eine Rückkehr zum Wachstum zeichnet sich ab.

Aktien

Die restriktiveren Worte der FED und die Ereignisse in China führten in der zweiten Monatshälfte zu starken Kurseinbrüchen von über -5%, viele Emerging Markets wiesen zeitweise sogar Verlusten von über -10% auf. Positive Wirtschaftsnachrichten zum Monatsende hin brachten eine Entspannung, per Saldo verloren viele Märkte dennoch über -3%. Auch die Volatilität stieg deutlich an, der VIX erreichte mit 22% ein Jahreshöchst. Trotz der aus Aktieninvestorensicht eher ungeschickten Kommunikation der US-Notenbank scheint weiterhin klar, dass ein nachhaltiger Anstieg der Renditen nur akzeptiert wird, wenn dies parallel zu weiteren Verbesserungen der gesamtwirtschaftlichen Lage geschieht. Sodann dürften die positiven Auswirkungen in Form höherer Unternehmensgewinne die negativen Auswirkungen höherer Finanzierungskosten überwiegen. Wir haben uns deshalb entschieden, nach der Korrektur die Aktienquote mittels ETF auf den japanischen Markt leicht zu erhöhen.

Obligationen

Auch die Bondmärkte wurden im Juni richtiggehend durchgeschüttelt. Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen stiegen mit Ausnahmen von Japan überall deutlich an. In den USA betrug der Anstieg 0.36%, seit Anfang Mai gar 0.86%. Diese abrupte Bewegung führte zu starken Verlusten auf langfristigen Obligationen. Der breit diversifizierte Swiss Bond Index büsste seit Anfang Mai ebenfalls 2.3% ein. Noch stärkere Kursverluste verzeichneten Emerging Markets Anleihen aufgrund der Proteste in Brasilien und der Türkei sowie der Angst vor hohen Kapitalabflüssen und resultierenden Handelsbilanzkrisen. Für uns nicht nachvollziehbar war hingegen die starke Ausweitung der Risikoaufschläge für mittlere Schuldnerqualitäten. Die Liquidität vieler CHF-Anleihen brach zudem ein, was temporär zu sehr hohen Geld-Brief-Spannen führte. Wir glauben, dass weitere Zinssprünge dank moderaten Wachstums- und Inflationserwartungen begrenzt sein dürften.

Währungen

Das Umfeld für einen CHF-Investor konnte kaum anspruchsvoller sein. Der Euro verlor phasenweise fast 2% und schloss den Monat mit einem Minus von 1.1%. Auch der Dollar verlor temporär über 4%, schliesslich resultierte ein Minus von 1.4%. Auch andere Währungen mit Safe Haven Charakter wie NOK und SEK verloren. Am stärksten fielen jedoch Emerging-Markets Währungen. Der brasilianische Real verlor -5%, die indische Rupie -6%. Die Bemerkungen von Ben Bernanke liessen den Dollar in der zweiten Monatshälfte wieder deutlich erstarken, nachdem dieser zu Monatsbeginn unter eher schwachen US-Wirtschaftsdaten litt. Die Abwertung des Yen geriet ins Stocken, womöglich wurde hier das von den anderen Wirtschaftsmächten tolerierte Mass erreicht.

Ausblick

Chinas neues Führungsduo hat beim Umbau der Volkswirtschaft ein neues Tempo angeschlagen. Unter dem Motto „short-term pain for long-term gain“ erwägt man nun auch kurzfristig schmerzhafte Reformen. So werden Neuigkeiten aus China weiter für Volatilität sorgen. Auch die US-Geldpolitik wird uns weiter beschäftigen. Mit den ausserordentlichen Massnahmen wurde Neuland betreten und so gibt es auch für den unausweichlichen Ausstieg keine Erfahrungswerte (siehe Fokus). Der Versuch eines sehr behutsamen Vorgehens kommt für die Verantwortlichen einem Eiertanz gleich. Wir gehen davon aus, dass die Notenbanken auch in Zukunft die gleiche Entschlossenheit an den Tag legen und die wachstumsfreundliche Geldpolitik so lange wie nötig fortführen werden. Das Umfeld für Aktienanlagen erscheint uns deshalb nach wie vor positiv und an unserer konstruktiven mittelfristigen Einschätzung hat sich nichts geändert.