Marktkommentar Januar 2013

Allgemein

In den USA wurde der Fall von der Fiskalklippe zumindest temporär verhindert. Die Politiker kamen zur Einsicht, dass das Pokerspiel um die Bonität des Landes allen schadet. Mit Ausnahme des von Sondereinflüssen geprägten BIPReports fielen die meisten US-Wirtschaftsdaten positiv aus. Insbesondere Arbeitsmarktdaten und konsumgetriebene Indikatoren legten zu. In Europa überraschten die Einkaufsmanagerindizes weitgehend positiv und EZB Präsident Mario Draghi unterstrich den verbesserten Ausblick auch verbal mit mehr Zuversicht. Als Ausnahme blieb die Wirtschaft Frankreichs weiterhin zurück. Der Linksrutsch und die damit verbundene Reformträgheit auf dem Arbeitsmarkt verringern die Konkurrenzfähigkeit des Landes stetig weiter (siehe IM FOKUS). Erfreulicheres zu berichten gab es aus Asien. Chinas Wachstum verstetigt sich mit Verbesserungen bei Konsum- und Exportnachfrage. Japan liess den grossen Worten auch Taten folgen und kündigte neben der weiteren quantitativen Lockerung auch ein JPY 10.3 Bio. Stimulus-Paket an, um die Deflationsspirale endlich zu durchbrechen. Im Fokus der Anleger lagen schliesslich auch die ersten Quartalszahlen, welche mit prominenten Ausnahmen wie Apple mehrheitlich positiv überraschten.

Aktien

Die guten Neuigkeiten aus Politik und Wirtschaft führten zu einem gelungenen Jahresstart an den Aktienmärkten. Der S&P 500 legte 5% zu, etwas weniger stark fiel die Performance des Euro Stoxx 50 mit 2.5% aus. Die implizite Volatilität an den Optionsmärkten sank auf breiter Front, der VIX notierte mit 12.40% auf einem Wert, wie er zuletzt vor Beginn der Finanzkrise beobachtet werden konnte. Während die Handelsvolumen weiterhin äusserst tief blieben, verzeichneten Aktienfonds rekordhohe Zuflüsse. US-Aktienfonds zum Beispiel sammelten rund USD 77 Mrd. an Neugeldern, deutlich mehr als in den besten Monaten zur Jahrtausendwende. Nebst meist erfreulichen Wirtschaftsdaten erhielten die Aktien auch von den Quartalsergebnissen Unterstützung. In den USA lagen 67% aller Gewinne über den Erwartungen, in Europa lag die Quote bei 58%. Positiv überraschen konnten insbesondere US-Finanzwerte.

Obligationen

Mario Draghis verbale Kehrtwende anlässlich der letzten EZB-Sitzung überraschte die Marktteilnehmer. Die Einschätzungen der letzten Quartale dienten überwiegend als argumentative Grundlage für die umstrittenen Krisenmassnahmen. Die erwähnten Massnahmen haben das primäre Ziel von tieferen Refinanzierungskosten für die angeschlagenen Euroländer erfüllt. Nun geht es dem EZB-Präsidenten offensichtlich darum, die Stimmung bei Konsumenten und Produzenten zu heben. Die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen kamen weiter zurück. Auch die Refinanzierungskosten europäischer Banken sanken nochmals deutlich. So nutzten viele Institute denn auch die Gelegenheit, teure EZB-Darlehen zurück zu zahlen und sich am Markt billiger zu refinanzieren. In der Tat lagen die Renditen von Bankenanleihen nur noch 0.14% über denjenigen anderer Investment-Grade Unternehmensanleihen, während der Renditeunterschied vor einem Jahr noch bei 1.3% lag.

Währungen

Verbesserte Aussichten im Euroraum und die Zuversicht der EZB führten zu einem deutlichen Anstieg des Euro- Zinsniveaus und so auch zu einer Verbesserung des Zinsdifferenzials zwischen Euro und Franken. Als Folge davon sprang der EUR/CHF deutlich an und Hedge Fonds schienen den Trend mittels Franken-Verkäufen noch zu verstärken. Auch der Yen zog weiterhin grosse Aufmerksamkeit auf sich und gab um weitere 5% nach. Die neue alte Regierung kündigte für das Anfangs April startende neue Fiskaljahr erneute Rekordemissionen von Staatsanleihen an. Die Brutto-Staatsverschuldung Japans liegt bereits über 200% der Wirtschaftsleistung und für den Schuldendienst müssen mehr als 20% der Staatsausgaben eingesetzt werden.

Ausblick

Die globalen Finanzmärkte schlitterten in den letzten Jahren von Krise zu Krise. Nachdem die Realwirtschaft mit Hilfe von bisher unerreichter staatlicher Unterstützung längst wieder Tritt gefasst hat, befinden sich viele Investoren noch immer im mentalen Krisenmodus und agieren nur sehr zögerlich. Die Stimmung unter den Investoren ist gemäss Umfragen zwar sehr gut aber trotzdem stehen viele noch abwartend an der Seitenlinie. Argumente gegen Aktien sind mögliche Turbulenzen im Zusammenhang mit den Wahlen in Italien oder dem weiteren Verlauf der US-Budgetdebatte. Andererseits liegt die Aktienquote von institutionellen US-Investoren mit 35% deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 44%. Dies und die Tatsache, dass sich der aktuell zögerliche Aufschwung mit der uneingeschränkten Zentralbankenunterstützung fortsetzt und eher beschleunigen wird, stimmen uns für Aktienanlagen weiterhin positiv.