Marktkommentar November 2012

Allgemein

Auch nach den US-Wahlen verbleibt die USA in einer politischen Pattsituation. Da die Tea-Party Bewegung jedoch deutlich an Wählergunst einbüsste, scheint sich die Grand Old Party aber auf einen konsensfähigeren Kurs zu besin-nen. Der US-Konsumentenstimmung konnten die politischen Wirren bislang wenig anhaben. Sowohl Umfragewerte als auch der Weihnachtsvorverkauf fielen positiv aus. In Europa einigten sich die Geldgeber Griechenlands auf einen Fahrplan zur weiteren Schuldenkonsolidierung. Ein Forderungsverzicht der öffentlichen Geldgeber scheiterte am Widerstand Deutschlands, dürfte aber spätestens nach den Bundestagswahlen in Deutschland wieder zum Thema werden. Das portugiesische Parlament verabschiedete für 2013 ein Budget, welches massive Steuererhöhungen vorsieht. Der Konsolidierungsbedarf des Staatshaushaltes bleibt auch in Spanien enorm und lastet weiterhin auf dem Privatkonsum. Der langersehnte wirtschaftliche Aufschwung auf der Iberischen Halbinsel scheint noch weiter in die Ferne gerückt zu sein. Positive Impulse vom Arbeitsmarkt sind damit leider nicht zu erwarten. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein und dieser schwächelt weiterhin und droht immer mehr in die Illegalität der Schwarzarbeit abzugleiten (siehe Fokus).

Auch die Situation im Nahen Osten spitzte sich im November weiter zu, wobei der Einfluss auf die Ölpreise und somit auf die Weltwirtschaft beschränkt blieb.

Aktien

Nachdem viele Indizes zur Monatsmitte Verluste von über -4% aufwiesen, schlossen die meisten Aktienmärkte per Monatsende versöhnlich. So gewann der MSCI World in CHF 0.66% und der S&P 500 legte 0.3% zu. Stark zulegen konnte der Nikkei, dies vor allem aufgrund des schwachen Yen. Volatilität und Handelsvolumen blieben noch immer tief. Bei den Sektoren fiel vor allem die Schwäche bei den Versorgern auf. Tiefe Gaspreise lasteten weiter auf dem Sektor. Zu den Gewinnern gehörten vor allem Aktien aus dem Konsumgüterbereich. Bei den Finanzwerten hinterliess das Nein zur Abgeltungssteuer bisher noch keine Spuren im Kursverlauf der hiesigen Banken.

Obligationen

Die Renditen 10-jähriger Eidgenossen erreichten mit 0.38% ein Rekordtief, stiegen jedoch zum Monatsende wieder auf 0.43%. Auch die Renditen anderer sicherer Staatsanleihen reduzierten sich eher weiter. In den USA erreichten

10-jährige inflationsgeschützte Anleihen eine rekordtiefe Rendite auf Verfall von -0.88%, 20-jährige eine solche von

-0.16%. Spanien konnte sich zu deutlich besseren Konditionen als noch in den Vormonaten langfristiges Geld be-schaffen. Eine EUR 14.8 Mrd. Anleihe mit 20-jähriger Laufzeit konnte zu 5.75% platziert werden. Auch die 10-jährigen CDS-Spreads des Landes reduzierten sich nochmals von 4.1% auf 3.1%. Ein ähnliches Bild zeigte sich für Italien, wo dieselben Spreads von 3.8% auf 2.7% fielen.

Währungen

Bei den Währungen stand der Yen im Fokus der Anleger. Die Valuta schwächte sich deutlich ab und verlor gegenüber dem USD 3.2%. Der Markt positionierte sich auf eine neue Regierung unter Shinzō Abe und eine deutlich lockerere Geldpolitik. Mit etwas mehr Skepsis gegenüber der US-Politik und gestiegener Zuversicht zu Griechenland gewann der Euro gegenüber dem US-Dollar 0.25%. Die USA bezichtigte China erneut der Währungsmanipulation, der Yuan legte mit 0.2% weiter leicht zu. Der Aufwertungsdruck auf den Franken blieb weiter moderat. Die Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB bleiben seit zwei Monaten faktisch unverändert.

Ausblick

Die politische Debatte in den USA wird auch im Dezember viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Wir gehen davon aus, dass, wie so oft in den letzten Jahren, eine Übergangslösung bis kurz vor Weihnachten gefunden wird. Der poli-tische Schaden wäre bei einem Scheitern wohl für beide Parteien zu gross. Die gute Konsumentenstimmung in den USA dürfte im Dezember weiter anhalten und das Weihnachtsgeschäft positiv ausfallen. In Europa sollte der erste Teil des Hilfspakets für Griechenland nach Absegnung durch die nationalen Parlamente spätestens bis Monatsmitte aus-bezahlt werden. Japan wird am 16. eine neue Regierung wählen. Unter dem Favoriten Shinzō Abe dürfte das Land eine deutlich aggressivere Reflationspolitik betreiben. Falls das geldpolitische Experiment so durchgeführt würde, hätte dessen Ausgang auch Signalwirkung auf die Geldpolitik der USA und der Eurozone. Vom Aktienmarkt erhoffen wir uns im Dezember positive Impulse. Falls sich die Politik wie erwartet konstruktiv verhält, steht einem versöhnlichen Jahresabschluss nichts mehr im Wege.