Marktkommentar Juni 2012

Allgemein

Die Stimmung an den Aktienmärkten verbesserte sich trotz positivem Wahlausgang in Griechenland nicht massgeblich. Der Schuldenberg hat sich weder verringert noch wird dessen Abbau weniger schmerzhaft. In Punkto negativer medialer Aufmerksamkeit wurde Griechenland von Spanien überholt. Zwar noch ohne genaue Details ist der formelle Hilfsantrag für Spaniens Bankensektor eingereicht worden. Der in diesem Zusammenhang am EU-Gipfel beschlossene Verzicht auf einen bevorzugten Gläubigerstatus sandte ein sehr wichtiges Signal an die Finanzmärkte.  Weitere Beschlüsse wie die Schaffung einer gemeinsamen Bankenaufsicht sowie die Erleichterung des Zugriffes auf den Euro-Rettungsschirm rundeten das positive Ergebnis des 25. Eurokrisengipfels ab. Italien und Spanien haben mit geschicktem Verhandlungspoker ihr Ziel erreicht und die zehnjährigen Renditen sind in der Folge um knapp 0.3% resp. 0.4% gesunken. Nicht viel Versöhnliches haben die makroökonomischen Daten offenbart. Trotz eher leicht positiven Anzeichen vom US-Immobilienmarkt (siehe IM FOKUS) hat das FED die Wachstumsprognosen für das US-BIP im laufenden Jahr von 2.9 auf 2.4% reduziert.

Aktien

Die erwartete Hilfestellung vom FED in der Form eines QE3 ist noch ausgeblieben. Bekanntgegeben wurde lediglich die Erhöhung der Operation Twist um USD 267 Mia. Auch die EZB blieb nicht untätig. Die Senkung der Qualitätsanforderungen für repofähige Sicherheiten konnte ebenfalls keinen spürbaren Effekt auslösen. Die nächste Quartalsberichterstattung startet erst Mitte Juli und Unternehmensnachrichten blieben mit der Ausnahme von einigen Gewinnwarnungen weitgehend aus. Als Folge davon standen die eher enttäuschenden Volkswirtschaftsdaten und weiterhin auch politische Entscheidungen im Fokus der Aktieninvestoren. Die einzelnen Märkte entwickelten sich sehr unterschiedlich. Die gehandelten Volumen waren weiterhin tief und stiegen nur temporär im Zusammenhang mit den Wahlen in Griechenland und dem Eurokrisengipfel an.

Obligationen

Die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen zeigen sich im Vergleich zu Ende Mai und trotz des massiven Rückgangs am Monatsende faktisch unverändert. Die Renditeentwicklung der „gesünderen“ Euroländer wiederspielt die Gewissheit darüber, dass die Eurorettung nicht kostenlos zu haben ist. Die Renditen für Staatsanleihen Deutschlands, Frankreichs, der Niederlanden und auch Schwedens sind zwischen 0.3 und 0.5% angestiegen. Dank des strikten Festhaltens am eingeschlagenen Sparprozess sind die Renditen für 10-jährige Portugiesische Staatsanleihen im Juni um beinahe 2% gesunken. 

Währungen

Dank der eurofreundlichen Nachrichtenlage hat sich die europäische Gemeinschaftswährung zum USD um rund 2.3% verteuert. Der JPY verlor gegenüber dem USD (-1.8%) und dem CHF (-4%) relativ deutlich an Wert. Die SNB hat wiederholt bestätigt, dass sie an der Kursuntergrenze von 1.20 zum EUR festhalten wird. Die Sichteinlagen der Geschäftsbanken bei der SNB erhöhten sich auch im Juni, was auf weitere EUR-Käufe der SNB hindeutet. Aufschluss darüber wird die Veröffentlichung der Devisenreserven vom 6. Juli 2012 geben.

Aussichten

Ohne Zweifel wurden am Eurogipfel wichtige Entscheidungen gefällt. Werden sich diese nachhaltig auf die Stimmungslage auswirken und damit die Volatilität an den Finanzmärkten reduzieren? Die Chancen dazu stehen zwar gut aber die Antwort auf diese Frage scheint noch nicht restlos geklärt. Weitere Integrationsschritte im Euroraum Richtung Fiskalunion und letzten Endes wohl auch zu einer faktischen gemeinsamen Haftung für Schulden stehen noch bevor. Die defensive Ausrichtung und grosse Anpassungsfähigkeit vieler Firmen sowie die tiefen Bewertungsniveaus sprechen mittelfristig trotz den bestehenden Unsicherheiten aber für Aktienmarktinvestitionen. Traditionsgemäss und gefolgt von den grossen US-Banken wird Alcoa mit der Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen am 9. Juli die Earnings Season eröffnen. Die Analysten beziffern das Gewinnwachstum des S&P 500 ohne Finanzwerte mit 0.5%. Das Hauptaugenmerk für diese Quartalszahlen muss dabei mehr auf den Ausblick gerichtet werden.