Marktkommentar August 2012

Allgemein

Der von der EZB am 2. August skizzierte Plan zur Normalisierung italienischer und spanischer Zinssätze verhalf Politikern und Börsenhändlern gleichermassen zu einer ruhigen ersten Monatshälfte. Mit dem Ende der Sommerferien gewann die politische Debatte ab Mitte August wieder an Schwung. Die im September anstehenden Entscheidungen von FED, EZB und dem deutschen Bundesverfassungsgericht nahm vielen Marktteilnehmern die Lust an einer klaren Positionierung. Auch die Konjunkturdaten lieferten wenig Impulse. Die europäische Wirtschaft scheint sich auf tiefem Niveau zu stabilisieren, deutliche Wachstumszeichen sind jedoch nicht auszumachen. In den USA hellten sich die Aussichten tendenziell wieder auf. Insbesondere die Schätzung des BIP-Wachstums im zweiten Quartal wurde von 1.5% auf 1.7% erhöht. Enttäuscht wurde der Markt von China. Die erhoffte konjunkturelle Wiederbelebung dürfte frühestens im aktuellen Quartal erfolgen. Die Unternehmensergebnisse schliesslich fielen in den USA und Nordeuropa weiterhin erfreulich aus während viele südeuropäische Firmen eher enttäuschten (siehe Fokus).

Aktien

Nach einem erfreulichen Start konsolidierten viele Aktienindizes in der zweiten Monatshälfte, da die Angst vor einem enttäuschenden September viele Marktteilnehmer vorsichtig stimmte. Per Saldo schlossen viele Indizes nur mit einem leichten Gewinn. Der DAX gewann y%, der S&P 500 y%. Deutlich profitieren vom skizzierten Draghi-Plan konnten hingegen die Aktienmärkte Italiens und Spaniens. Auch Finanzwerte profitierten, schien doch der Worst-Case für das Finanzsystem etwas in die Ferne gerückt. Die gehandelten Volumina verharrten insbesondere in der zweiten Monatshälfte auf Tiefstwerten. Auch die Volatilität, gemessen am VIX, sank zwischenzeitlich auf 13.5%, was dem tiefsten Stand seit dem Frühling 2007 entspricht.

Obligationen

Auch bei den Anleihen führte der EZB-Plan zu einer Rally bei italienischen und spanischen Staatsanleihen. Jedoch kam es auch hier zum Monatsende hin wieder zu mehr Verkaufsdruck, 10-jährige spanische Staatsanleihen rentierten zum Monatsende hin mit x%. Eidgenossen hingegen waren weiterhin gesucht mit unverändert tiefen Renditen. Das Emissionsvolumen am Franken-Anleihenmarkt war vergleichsweise hoch. Rund 40 Emittenten begaben Papier im Wert von rund 7 Milliarden Franken. Viele Firmen scheinen das Tiefzinsumfeld nach wie vor zur langfristigen Refinanzierung zu nutzen. In den USA sanken die realen Zinsen noch weiter in den negativen Bereich. Inflationsgeschützte Anleihen mit 5-jähriger Laufzeit „rentierten“ Ende August x (912828JE Govt).

Währungen

Die Ankündigung Ben Bernanke‘s, eine weitere quantitative Lockerung ins Auge zu fassen, führte wie erwartet zu einer Dollarschwäche. Wie die Erfahrung aus dem Programm von 2010 zeigt, dürfte sich die Dollarschwäche vor allem auf den Ankündigungseffekt beschränken. So verlor der Greenback von Ende August 2010, als das Programm in Jackson Hole signalisierte wurde, bis zum offiziellen Start in November rund 10%. Im Dezember war dieser Verlust schliesslich auf rund 2% geschrumpft. Die SNB verteidigte den Mindestkurs zum Euro, musste aber wie bereits im Vormonat in beträchtlichem Umfang Devisen kaufen. So stiegen die Sichteinlagen inländischer Geschäftsbanken bei der Nationalbank um rund CHF 16 Milliarden auf CHF 286 Milliarden. (SZMSSTDP).

Ausblick

Die Entscheidung des deutschen Verfassungsgerichts zur Legalität des ESM, Ankündigungen von EZB und FED, Wahlen in Holland sowie der nächste Bericht der Troika zu Griechenland versprechen einen spannenden Herbst. Griechenland hat womöglich eine letzte Chance, zu beweisen, dass die Sparversprechen ernst gemeint sind, andernfalls Deutschland oder der IMF die Reissleine ziehen könnten. Die EZB wird den Plan zur Stützung von Italien und Spanien weiter konkretisieren, eine garantierte Zinsobergrenze für die beiden Länder erscheint aber unwahrscheinlich. Bezüglich Italien dürften sich die Märkte langsam mit der Tatsache auseinandersetzen, dass bald die Ära nach Mario Monti anbricht und die Euroskepsis in Italien weiter wachsen dürfte, je länger sich das Land in Rezession befindet. In den USA wird der Wahlkampf in eine heisse Phase treten und sich die Rhetorik weiter verschärfen. Bis auf weiteres gehen wir nach wie vor davon aus, dass sich die Märkte volatil seitwärts bewegen und starke Kursverluste für Zukäufe genutzt werden können.